Posted in: Meeresforschung, Tierwelt 9. September 2011 16:50 0 Kommentare Weiter lesen →

Grummelkonzert am Meeresgrund

Sehr buntes Wasserfarbenbild zweier entfernt garnelenartiger Krebse, einer den Kopf aus seinem Bau streckend Quakende Frösche, zwitschernde Vögel und zirpende Grillen können regelrechte Konzerte anstimmen. Ein ähnliches Phänomen gibt es auch am Meeresgrund, hat eine amerikanische Biologin entdeckt. Große Fangschreckenkrebse produzieren demnach tiefe, an ein Grummeln erinnernde Laute und fallen sich dabei nicht selten gegenseitig ins Wort.

Bild: Erica Staaterman, University of Miami School of Marine and Atmospheric Sciences

“Im Meeresgrund grabende Gesellen wie die Fangschreckenkrebse stehen schon lange im Verdacht, Laute zu produzieren”, erläutert Erica Staaterman von der University of Massachusetts in Amherst. Angesichts der neuen Resultate müsse man sich allerdings fragen, ob und wie sich der beinahe allgegenwärtige Bootslärm auf die Krebs-Kommunikation auswirke.

Staaterman, mittlerweile an der Universität Miami tätig, und Kollegen führten ihre Untersuchungen vor der kalifornischen Insel Santa Catalina durch. Am dortigen Meeresgrund leben Fangschreckenkrebse der Art Hemisquilla californiensis. Die gut ellenlangen Tiere erinnern an übergroße Scampi und kommen während der Dämmerung aus ihren Gängen im Sediment, um zu fressen. Bei früheren Laboruntersuchungen war aufgefallen, dass zumindest männliche Exemplare Grummellaute produzieren können, indem sie ihre kräftigen Kiefermuskeln in rascher Folge zucken lassen.

Die Forscher brachten mehrere Mikrophone am Meeresgrund an, um mehr über die Lautproduktion in freier Wildbahn zu erfahren. Wie sie im Fachblatt “Aquatic Biology” berichten, grummelten die Krebse mit einer mittleren Grundfrequenz von 169 Hertz, wobei jedes Tier seine persönliche Tonhöhe hatte. Die wenige Zehntelsekunden langen Laute wurden typischerweise in Dreiergruppen produziert. Dabei kam es mehrmals zur Überlagerung der Laute von verschiedenen Individuen.

Die Grummellaute könnten dazu dienen, das eigene Territorium und den eigenen Bau gegenüber Rivalen zu behaupten, vermuten Staaterman und ihre Kollegen. Eine andere mögliche Funktion sei das Anlocken von Weibchen, die während der Paarungszeit vorübergehend in die Bauten der Männchen einziehen. “Angesichts der erheblichen zeitlichen und Frequenzvariabilität des Grummelns der Fangschreckenkrebse erscheint diese Funktion als sehr wahrscheinlich”, schließen die Meeresbiologen.

Forschung: Erica R. Staaterman und Sheila N. Patek, Biology Department, University of Massachusetts, Amherst; Austin J. Gallagher, Abess Center for Ecosystem Science and Policy, University of Miami; und andere

Veröffentlichung Aquatic Biology, Vol. 13, pp 97-105, DOI 10.3354/ab00361

WWW:
Homepage Erica Staaterman
Patek Lab, University of Massachusetts: Krebs-Laute
The Lurker’s Guide to Stomatopods

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