Posted in: Stadt, Tierwelt 5. September 2011 14:10 Weiter lesen →

Vögel mit Grips nutzen den Wandel

Foto eines Eichelhähers, großer Vogel mit rostbraunem Gefieder, blau gestreiften Flügelbinden, im Gras Vögel mit Grips haben besonders stark vom Fall des Eisernen Vorhangs profitiert. Das haben deutsche und tschechische Wissenschaftler bei einem Vergleich von 57 Vogelarten ermittelt. Indem sich die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse im Osten Deutschlands und in Tschechien änderten, haben demnach vor allem Vogelspezies mit relativ großem Gehirn wie Elster und Eichelhäher ihre Bestände ausbauen können.

Foto: Hans-Jörg Hellwig, Diginatur.de, via Wikimedia (Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Die Resultate sprächen für die Annahme, dass Vögel mit guten kognitiven Fähigkeiten eher in der Lage gewesen seien, sich an schnell ändernde Umweltbedingungen anzupassen, erläutert Katrin Böhning-Gaese von der Universität Mainz und vom Forschungszentrum Biodiversität und Klima in Frankfurt am Main. „Sie konnten damit die Chancen, die sich nach dem Ende des Kommunismus ergaben, besser für sich nutzen.“

Die Forscher um Böhning-Gaese und ihren Kollegen Jiří Reif von der Prager Karls-Universität analysierten die Bestandsentwicklung von 57 Singvogelarten in den Jahren 1991 bis 2007. Mit Nordwestdeutschland, Ostdeutschland und der Tschechischen Republik konzentrierten sie sich dabei auf drei Regionen in Europa, die sich in diesem Zeitraum unterschiedlich stark verändert haben. Die Bestandsdaten verknüpften die Forscher zusätzlich mit Angaben über Lebensraum und Lebensweise der jeweiligen Art sowie die Gehirngröße im Verhältnis zum gesamten Körper. Die Resultate präsentieren sie im Fachblatt „Biological Conservation“.

Faktoren wie Klima und landwirtschaftliche Nutzungsintensität wirkten sich demnach in allen Regionen ähnlich stark aus. Doch während die relative Gehirngröße im Nordwesten Deutschlands kaum eine Rolle spielte, wirkte sie sich in Ostdeutschland und vor allem in Tschechien positiv aus, fanden die Forscher. Der Grund könnte in neuen Grünanlagen und Parks in den Innenstädten und im starken Eigenheimbau am Stadtrand in den ehemaligen Ostblockstaaten liegen, vermuten sie. Vögel mit viel Grips könnten sich an diese Lebensräume mit ihrer Nähe zum Menschen leichter gewöhnt haben als solche mit weniger flexiblem Verhalten.

Forschung: Jiří Reif und Katrin Böhning-Gaese, Institut für Zoologie, Johannes-Gutenberg-Universität, Mainz, Institute for Environmental Studies, Karls-Universität, Prag, Department of Zoology und Laboratory of Ornithology, Palacký Universität, Olomouc, und Forschungszentrum Biodiversität und Klima, Frankfurt am Main; und andere

Veröffentlichung Biological Conservation, Vol. 144(10), pp 2524-33, DOI 10.1016/j.biocon.2011.07.009

WWW:
Forschungszentrum Biodiversität und Klima, Frankfurt/M.
Institute for Environmental Studies, Karls-Universität
Dachverband Deutscher Avifaunisten
Vögel in Deutschland
Bird Brain

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Großes Hirn, längeres Leben
Schnelle Evolution bei schlauen Vögeln

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1 Kommentar zu "Vögel mit Grips nutzen den Wandel"

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  1. Prinz sagt:

    Klingt nach einem Aprilscherz. Vögel können zwischen Sozialismus und Kapitalismus unterscheiden?