Posted in: Landwirtschaft, Tierwelt 16. August 2011 15:26 Weiter lesen →

Reaktionsstarke Blattläuse

Makroaufnahme zeigt hellgrüne Blattlaus ohne Flügel mit dunklen Punktaugen und kleinere Nachkommen auf einem Blatt Evolutionäre Vorgänge benötigen nicht unbedingt Jahre oder Jahrhunderte, um ihre Wirkung zu entfalten, belegt eine Studie amerikanischer Biologen. Blattläuse können demnach binnen Tagen ihre Populationsstruktur verändern, wenn sie Konkurrenten oder Fressfeinden ausgesetzt sind – und so ihre Produktivität optimieren.

Foto: Martin Turcotte

Derart reaktionsfreudige Blattlauspopulationen wachsen nicht nur schneller als unflexible Pendants, ermittelten Martin Turcotte von der University of California in Riverside und seine Kollegen. Sie können auch höhere Bestandsdichten erzielen, berichten die Forscher im Fachblatt „Ecology Letters“. Dieser Faktor müsse bei der Bekämpfung der potenziellen Schädlinge berücksichtigt werden.

Turcotte und Kollegen führten ihre Versuche mit der Grünen Pfirsichblattlaus (Myzus persicae) durch. Wie für Blattläuse typisch, vermehren sich die Tiere in den Sommermonaten durch Jungfernzeugung und bringen dabei Klone ihrer selbst hervor. Die Forscher testeten unter Freilandbedingungen die Entwicklung von Populationen, die aus lediglich einer Klonlinie oder aber aus zwei unterschiedlichen Klonlinien bestanden. Die Unterschiede waren verblüffend.

In den gemischten Populationen beobachteten die Forscher starke Schwankungen der Anteile der beiden Klonlinien, die sich mitunter in lediglich 30 Tagen einstellten – entsprechend 4 bis 5 Blattlausgenerationen. Diese Flexibilität zahlte sich aus: Indem die Mischpopulationen gewissermaßen immer wieder das Standbein wechselten, erzielten sie insgesamt bis zu 42 Prozent höhere Wachstumsraten und bis zu 67 Prozent höhere Bestandsdichten als Populationen aus nur einer Klonlinie.

„Auch ohne menschliches Zutun kann das Einwirken der natürlichen Selektion auf Blattlauspopulationen also eine rasante Evolution bewirken“, folgert Turcotte, inzwischen an der University of Toronto tätig. Wenn der Mensch zusätzlich Pestizide oder – im Falle bakterieller Krankheitserreger – Antibiotika einsetze, könnten die Effekte sogar noch ausgeprägter sein, so der Forscher: „Wird diese Evolution ignoriert, wie es oft der Fall ist, können Schädlingswellen und Krankheitsausbrüche massiv unterschätzt werden.“

Forschung: Martin M. Turcotte, David N. Reznick und J. Daniel Hare, Department of Biology und Department of Entomology, University of California, Riverside

Veröffentlichung Ecology Letters, DOI 10.1111/j.1461-0248.2011.01676.x

WWW:
Homepage Martin Turcotte
Department of Biology, UC Riverside
Grüne Pfirsichblattlaus
Evolution 101

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Blattläuse im freien Fall
Genetisches Lotterleben bei Blattlaus-Männchen

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