Posted in: Klima, Meeresforschung 15. August 2011 14:53 Weiter lesen →

Taifune treffen auf geschwächte Ökosysteme

Der Taifun Kammuri in einem Satellitenbikld der NASA
Der Taifun Kammuri in einer Aufnahme der NASA vom 4.8.2008.

Keine Region der Welt wird statistisch so oft von Stürmen heimgesucht wie die Insel Hainan an der Südküste Chinas. Im Schnitt treten dort achtmal jährlich Taifune auf. Besonders heftig fiel der Sturm Kammuri Anfang August 2008 aus. Seine Auswirkungen auf die Ökosysteme haben Forscher des Leibniz-Zentrums für Marine Tropenökologie unmittelbar nach dem Auftreffen des Sturms untersucht.

Wie die Forscher berichten, waren die Ökosysteme bei Hainan schon vor dem Sturm unter Druck geraten. Zwar zeichnet sich die Insel Hainan von Natur aus durch vielfältige tropische Küstenhabitate aus – dazu gehören Mangroven, Seegraswiesen und Korallenriffe. Aber diese Systeme sind Veränderungen durch den Menschen ausgesetzt, seit im Mündungsgebiet des Flusses Wenchang ehemals dichte Mangrovenwälder großflächig abgeholzt und in Aquakulturteiche für die Aufzucht von Garnelen und Fischen umgewandelt wurden.

Nährstoffe und Sedimente aus dem Fluss werden seitdem deutlich geringer zurückgehalten als zuvor. Aquakulturen und intensive Landwirtschaft im Hinterland begünstigen übermäßige Stoffeinträge in das Küstenmeer.

Diese Belastung kann unter ungestörten Bedingungen noch aufgefangen werden: Der Wenchang verbreitert sich in seinem Mündungsgebiet zu einer Lagune. Dort fließt das Wasser langsamer und verweilt länger. Phytoplankton kann einen Großteil der Nährstoffe aufnehmen, Sedimente können sich am Grund des Gewässers absetzen. Das bedeutet nach Einschätzung der Forscher einen gewissen Schutz für Korallenriffe und Seegraswiesen.

Der Taifun Kammuri hatte allerdings schwerwiegende Folgen für die Lagune: Mit seinen heftigen Regenfällen schwemmte er das Phytoplankton ins Küstenmeer hinaus, zusammen mit großen Mengen an Nährstoffen aus Aquakultur und Landwirtschaft sowie erodierten Böden.

In den Küstengewässern bildeten sich Algenblüten. Auch große Massen an Süßwasser wurden weit ins Meer hineingetrieben. Zwei Wochen nach dem Sturm hatten sich die Verhältnisse am Wenchang noch nicht normalisiert, beobachteten die Forscher. Sie stellen ihre Untersuchung im Fachblatt „Estuarine, Coastal and Shelf Science“ vor.

Korallenriffe vor Hainan; Quelle: ZMT
Korallenriffe vor der Küste Hainans: Algen überwuchern und Sedimente bedecken die Korallen. Foto: U. Krumme, ZMT

Korallenriffe und Seegaswiesen sind an salzhaltiges, klares Wasser mit geringen Nährstoffkonzentrationen angepasst. In Hainan seien diese Küstenhabitate durch Überfischung bereits sehr stark geschädigt, so die Forscher. Taifune belasteten die Region jetzt zusätzlich.

Die Befürchtung der Wissenschaftler: Überall dort in den Tropen, wo die zerstörerische Kraft von Naturgewalten und menschlichen Einflüssen zusammentreffen, könnte das für die Küstenökosysteme und ihre Ressourcen verheerende Folgen haben.

Forschung: L Lucia S. Herbeck, Daniela Unger, Uwe Krumme, Su Mei Liu, Tim C. Jennerjahn; Leibniz-Zentrum für Marine Tropenökologie; Veröffentlichung in „Estuarine Coastal and Shelf Science“ 93, pp 375-388.

WWW:
Abstract in „Estuarine …“
Leibnitz-Zentrum für Marine Tropenökologie
Insel Hainan

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