Posted in: Klima, Tierwelt 22. Juli 2011 13:26 Weiter lesen →

Ein Schnabel für heiße Tage

Foto zeigt kleinen Vogel mit hellbraun-dunkelbraun geschecktem Gefieder neben einem gelb blühenden Kraut Wer nicht schwitzen kann, muss an heißen Tagen auf andere Weise für Kühlung sorgen. Vögel nutzen dafür ihren Schnabel, folgern amerikanische Forscher nach Messungen an knapp 1.400 Ammern. Je höher die Temperaturen im Brutgebiet der Vögel steigen, desto größer ist demnach die Oberfläche ihres Schnabels.

Foto: Elaine R. Wilson, Naturespicsonline.com (Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Mit jedem zusätzlichen Grad Celsius steigt die Schnabeloberfläche der kleinen Vögel um fast 4 Quadratmillimeter, ermittelten die Forscher um Russell Greenberg von der Smithsonian Institution in Washington. Dieses Resultat bestätige frühere Studien, denen zufolge der Schnabel nicht allein die jeweilige Nahrung widerspiegle, sondern auch die physikalischen Umweltbedingungen, schreiben die Biologen im Fachblatt „Ecography“.

Greenberg und Kollegen verglichen für ihre Studie insgesamt zehn Unterarten von Ammern (Gattungen Ammodramus, Melospiza und Passerculus), die in Salzmarschen an den Küsten Nordamerikas brüten. In dem sonnendurchfluteten und gleichzeitig süßwasserarmen Lebensraum scheint der Schnabel eine wichtige Rolle im Wärmehaushalt der Vögel zu spielen, fanden die Forscher.

Als sie die Schnabelfläche gegen die mittlere Juli-Höchsttemperatur am jeweiligen Fundort auftrugen, lagen die meisten Punkte hart an einer geraden Linie mit einer Steigung von 3,7 bzw. 3,5 Quadratmillimeter pro Grad Celsius für Männchen bzw. Weibchen. Mit der mittleren Januar-Tiefsttemperatur ergab sich dagegen nur eine diffuse Punktewolke.

Die neuen Resultate passen zu dem bekannten Muster, dass Tiere in wärmeren Lebensräumen schlankere Gliedmaßen und größere Ohren besitzen und insgesamt weniger kompakt gebaut sind als ihre Verwandten in kühleren Zonen. Offenbar folge auch der Vogelschnabel dieser Allenschen Regel, so Greenberg weiter. In puncto Wärmeabstrahlung entspreche er also beispielsweise den großen Ohren von Elefanten und Wüstenfüchsen.

Forschung: Russell Greenberg, Smithsonian Migratory Bird Center, National Zoological Park, Washington, D. C.; David Luther, Department of Biology, George Mason University, Fairfax; und andere

Veröffentlichung Ecography, DOI 10.1111/j.1600-0587.2011.07002.x

WWW:
Smithsonian Migratory Bird Center
New World Sparrows and Allies
Characters of the Bill
Bergmannsche und Allensche Regel

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Kühles Klima, kurzer Schnabel
Tukan mit Schnabelkühlung

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