Posted in: Natur- und Umweltschutz, Verkehr 27. Juni 2011 16:32 Weiter lesen →

Keine Fernstraße durch die Serengeti

Wasserstelle im Serengeti Nationalpark Der Bau einer asphaltierten Fernstraße quer durch die Serengeti ist abgesagt. Naturschützer aus der ganzen Welt hatten seit fast einem Jahr gegen das Projekt protestiert. Wie die Regierung von Tansania in einem Schreiben an die UNESCO jetzt versichert, werde der Plan nicht weiter verfolgt. Stattdessen soll es nun eine südliche Umgehungsstraße geben.

Foto: Sam D’Cruz /Fotolia

Die Regierung von Tansania hatte ursprünglich vor, eine zweispurige Fernstraße gut 50 Kilometer weit durch das Weltnaturerbe zu führen. Gegen den Bau hatten u.a. im September 2010 im Magazin „Nature“ 27 Wissenschaftler und Naturschutzexperten Alarm geschlagen. Sie befürchteten, die Straße werde die Wanderwege der Gnus und Antilopen zerschneiden und den Tieren den Zugang zum Wasser in der Trockenzeit erschweren. Außerdem gaben sie zu bedenken, dass in Tansania rund 23 Prozent der Deviseneinnahmen aus dem Tourismus stammen. Nur unversehrt bleibe der Serengeti Nationalpark ein Besuchermagnet, so die Naturschützer.

Anlässlich der 35. Sitzung des Welterbe-Komitees der UNESCO in Paris am letzten Wochenende distanzierte sich der tansanische Umweltminister Ezekiel Maige nun offiziell von dem Projekt. Die neuen Baupläne sehen jetzt eine südliche Umgehung vor. Die bestehenden Pisten durch den Park bleiben ungeteert und sollen wie bisher nur für touristische und administrative Zwecke befahren werden.

Für eine alternative Umgehungsstraße hatte im letzten Herbst auch die Zoologische Gesellschaft Frankfurt (ZGF) plädiert. „Von der Südroute hätten rund 2,3 Millionen Menschen etwas“, sagte damals Markus Borner, Afrikadirektor der ZGF.

Karte mit geplanter und alternativer Streckenführung durch die Serengeti
Ursprünglich geplante Straße durch den Serengeti Nationalpark und alternative Südumfahrung. Grafik: ZGF

Das deutsche Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung BMZ schlug Anfang diesen Jahres vor, eine Studie über alternative Möglichkeiten der Verkehrsanbindungen zu finanzieren. Bundes­ent­wicklungs­minister Dirk Niebel hatte Mitte Februar erklärt: „Unsere Initiative zeigt, wie die deutsche Entwicklungs­zu­sammen­arbeit zu win-win-Lösungen beitragen kann, die den berechtigten Entwicklungsinteressen bisher vernachlässigter ländlichen Gegenden Tansanias entgegen kommen, ohne dabei das weltbekannte einzigartige Ökosystem unwiderruflich zu zerstören.“

Die UNESCO reagierte erleichtert auf die Erklärung von Tansania und rief die internationale Geber-Gemeinschaft dazu auf, den Bau einer Südumfahrung zu unterstützen.

WWW:
UNESCO-Meldung zum Stopp der Ausbaupläne
Erklärung der ZGF zur Projekt-Absage

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Warnung vor Fernstraße durch die Serengeti

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