Posted in: Tierwelt 20. Juni 2011 15:08 Weiter lesen →

Froschsterben: Schwieriger Kampf gegen den Chytridpilz

Geburtshelferkröte Seit den 1980er Jahren werden auf der ganzen Welt Wellen von Pilzinfektionen bei Fröschen beobachtet. Der verantwortliche Chytridpilz führt fast immer zum Tod der Amphibien. In einem Fachjournal stellen Forscher jetzt Methoden vor, wie der Chytridpilz bekämpft werden kann.

Geburtshelferkröte – eine Art, die besonders empfindlich auf den Chytridpilz reagiert. Foto: Benedikt Schmidt, Universität Zürich

Ein spezieller Chytridpilz (Batrachochytrium dendrobatidis) und die durch ihn ausgelöste Krankheit Chytridiomykose sind eine der drei wichtigsten Ursachen für das globale Amphibiensterben. In Wellen trat der Pilz in den 1980er und 1990er Jahren in Australien und Mittelamerika auf, in Europa zuerst in Spanien. „Wenn immer er in einem Gebiet neu aufgetaucht ist, so sind dort Frösche in großer Zahl an der Krankheit gestorben“, sagt Benedikt Schmidt, Naturschutzbiologe der Universität Zürich. Heute ist der Pilz auf allen Kontinenten zu finden, auf denen es Frösche gibt.

„Wo der Pilz in Europa gesucht wurde, da wurde er auch gefunden“, sagt Schmidt. In der Schweiz konnten die Forscher den Pilz in fast jedem zweiten untersuchten Weiher nachweisen. Allerdings ist es dort noch zu keinem Massensterben gekommen, nur einzelne an der Chytridiomykose verendete Amphibien haben die Forscher entdeckt. Gemeinsam mit Kollegen aus der Schweiz, Spanien, Australien und den USA hat Schmidt vorhandene Ansätze zur Bekämpfung des Pilzes gesichtet und im Fachjournal „Frontiers in Zoology“ zur Diskussion gestellt.

Chytridpilz Der Chytridpilz auf der Haut eines Frosches. Foto: Douglas Woodhams

„Einzelne Individuen zu behandeln, etwa in einem Zoo, ist einfach“, sagt Schmidt, „die Bekämpfung des Pilzes in der Natur hingegen ist eine große Herausforderung.“ So kann man beispielsweise Frösche oder Kaulquappen fangen, sie gegen den Pilz behandeln und wieder frei lassen. Die Frage ist nur, wie man verhindert, dass die Tiere nach der Freilassung gleich wieder angesteckt werden.

Alternativ schlagen die Forscher vor, auf Bakterien zu setzen, die natürlicherweise auf der Froschhaut leben. Einige dieser Hautbakterien hemmen den Chytridpilz und können so die Frösche heilen. „Im Labor funktioniert dieser Ansatz“, so Schmidt; „nun muss noch getestet werden, wie diese Methode bei freilebenden Fröschen eingesetzt werden kann.“

Forschung: D.C. Woodhams, R. Puschendorf, B.R. Schmidt u.a. in „Frontiers in Zoology“ 2011, 8: 8. doi:10.1186/1742-9994-8-8

WWW:
Abstract in „Frontiers in Zoology“
Forschungsgruppe an der Universität Zürich
Chytridpilz

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