Posted in: Natur- und Umweltschutz, Tierwelt 18. Mai 2011 01:01 Weiter lesen →

Klammheimliche Vielfalt

Foto zeigt Galago, kleinen pummeligen Primaten, nachts aufgenommen mit hell reflektierenden Augen Obwohl das Zeitalter der großen Forschungsreisen längst vorüber ist, harren noch immer zahlreiche Tier- und Pflanzenarten der Entdeckung. Allein unter den Amphibien und den Säugetieren gibt es noch etwa 3.200 unentdeckte Spezies, schätzt eine internationale Forschergruppe. Mehr als die Hälfte dürfte in den tropischen und subtropischen Wäldern der Neuen Welt zu finden sein.

Foto: Joachim Huber via Flickr (Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Generic)

Viele der unentdeckten Spezies werden aber schon vor ihrer formellen Beschreibung aussterben, fürchten die Forscher um David Wilcove von der Universität Princeton und Navjot Sodhi von der Nationalen Universität Singapur. „Indem der Mensch natürliche Lebensräume für seine Zwecke umgestaltet, wird sich der Verlust an Artenvielfalt und damit auch an unbeschriebenen Arten mit Sicherheit weiter beschleunigen“, schreibt die Gruppe in den „Proceedings of the Royal Society“.

Die Biologen nutzten ein einfaches mathematisches Modell, um die Zahl und die Verteilung der noch unentdeckten Amphibien- und Landsäugerarten zu schätzen. Die Rate der Neuentdeckungen sollte demnach sinken, je niedriger der Anteil der unentdeckten Arten an der Gesamtartenzahl in einer Region ist. Gleichzeitig sollte die Rate umso höher liegen, je mehr Artenkundler vor Ort arbeiten.

Für ihre Studie trugen die Wissenschaftler Angaben aus Speziesdatenbanken zusammen, um für den Zeitraum von 1758 bis 2007 in Fünfjahresperioden die Zahl der bekannten Arten und die Entdeckungsraten in 63 Regionen der Erde zu schätzen. Als Maß für den Forschungsaufwand ermittelten sie mithilfe einer Literaturdatenbank die Zahl der Autoren, die Studien über die jeweilige Fauna veröffentlicht hatten. Auf Basis dieser Informationen und ihres Modells schätzten sie dann den Anteil noch unentdeckter Arten.

Das Resultat der Fleißarbeit: Weltweit dürfte es etwa 9.347 Arten von Amphibien und 5.561 Arten von Landsäugetieren geben – 3.050 bzw. 160 Arten (33 bzw. 3 Prozent) mehr als bislang beschrieben. Weitgehend unberührte Regionen sollten demnach besonders viele unentdeckte Arten bergen. Allerdings sind Gebiete mit einem besonders hohen Reichtum kryptischer Arten nicht unbedingt auch besonders gut geschützt, fanden die Forscher bei einem Abgleich ihrer Resultate mit einer Karte der bestehenden Schutzgebiete.

Eingriffe in die Lebensräume von Tieren und Pflanzen seien nicht das einzige Problem, betont die Gruppe um Wilcove und Sodhi: „Universitäten und andere Institutionen haben ihre Unterstützung für die taxonomische Feldarbeit und Forschung zurückgefahren und es besteht wenig Aussicht auf eine Umkehr dieses Trends.“ Damit drohe der unbemerkte Verlust von Spezies, die für ihre Ökosysteme und für die Wissenschaft möglicherweise von besonderem Wert seien.

Forschung: Xingli Giam und David S. Wilcove, Department of Ecology and Evolutionary Biology und School of Public and International Affairs, Princeton University, Princeton; Brett R. Scheffers und Navjot S. Sodhi, Department of Biological Sciences, National University of Singapore, Singapur; und andere

Veröffentlichung Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences, 18. Mai 2011, DOI 10.1098/rspb.2011.0433

WWW:
Wilcove Group, Princeton University
Sodhi Lab, National University of Singapore
Ecoregions
Last of the Wild
IUCN Red List
Biogeographie

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Ein Drittel aller Amphibien-Arten gefährdet

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