Posted in: Natur- und Umweltschutz, Tierwelt 17. Mai 2011 14:59 Weiter lesen →

Umtriebige Hummeln

Nahaufnahme einer pelzigen Hummel auf einem kugeligen rosa-blauen Blütenstand, rechteckigen Sender mit langer Antenne am Hinterleib Ungeachtet ihres pummeligen Erscheinungsbildes kommen Hummeln viel herum. Das belegt die funkgestützte Überwachung der Insekten durch eine deutsch-dänische Forschergruppe. Die Tiere bewältigen demnach kilometerlange Flüge und können binnen Tagen eine Fläche von mehr als 40 Hektar abdecken.

Foto: Hagen M, Wikelski M, Kissling WD (2011). PLoS ONE 6(5): e19997, DOI 10.1371/journal.pone.0019997 (Creative Commons Attribution 2.5 Generic)

„Die von uns gemessenen Flugdistanzen übertreffen zahlreiche frühere Schätzungen zum Einzugsgebiet der Hummeln bei der Nahrungssuche“, schreiben Melanie Hagen von der Universität Bielefeld und ihre Kollegen im Fachmagazin „PLoS ONE“. Dieses Wissen sei nicht zuletzt für den Schutz der Bestäuber von Bedeutung.

Hagen und zwei Kollegen vom Max-Planck-Institut für Ornithologie und von der Universität Aarhus führten ihre Studie in der Nähe von Radolfzell am Bodensee durch. Die Forscher versahen insgesamt acht Garten-, Feld- und Erdhummeln mit winzigen Funksendern, die sie mit Wimpernkleber auf dem Hinterleib der Tiere befestigten. In den folgenden Tagen verfolgten sie am Boden und vom Kleinflugzeug aus die Bewegung der Hummeln durch die von Dörfern und Feldern geprägte Landschaft.

Im Mittel entfernten sich die Tiere bis zu einen Kilometer von dem Ort, an dem sie nach dem Anbringen des Senders freigelassen worden waren. Eine Feldhummel-Arbeiterin brachte es auf 1,9 Kilometer und eine Erdhummel-Arbeiterin sogar auf 2,5 Kilometer. Die besonders gründliche Überwachung einer Gartenhummel-Königin ergab, dass diese um Felder eher einen Bogen machte und stattdessen dörfliche Gärten zu schätzen schien. Binnen vier Tagen suchte dieses Individuum Orte auf, die als Eckpunkte eine Fläche von 37 Hektar aufspannten. Im Fall der Feldhummel-Langstreckenfliegerin ergab sich ein Wert von rund 44 Hektar.

Bei aller Umtriebigkeit verbrachten die Hummeln etwa die Hälfte des Tages mit Rasten, fanden Hagen und ihre Kollegen. Möglicherweise seien die 0,2 Gramm leichten Funksender immer noch so schwer, dass sie die Hummeln bei der Nahrungssuche behinderten, vermuten die Forscher. Grundsätzlich belegten die neuen Resultate jedoch, dass sich mit der Funktechnik auch kleine Tiere gut studieren ließen.

Forschung: Melanie Hagen, Biologische Sammlung, Universität Bielefeld, Bielefeld; Martin Wikelski, Abteilung für Tierwanderungen und Immunökologie, Max-Planck-Institut für Ornithologie, Radolfzell; W. Daniel Kissling, Økoinformatik & Biodiversitet, Biologisk institut, Aarhus universitet, Aarhus

Veröffentlichung PLoS ONE, Vol. 6(5), e19997, DOI 10.1371/journal.pone.0019997

WWW:
Biologische Sammlung, Uni Bielefeld
Tierwanderungen und Immunökologie, MPI für Ornithologie
Homepage Daniel Kissling
Hummeln

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