Posted in: Klima, Tierwelt 27. April 2011 23:00 Weiter lesen →

Schnecken verblüffen bei Mitmach-Projekt

Foto zeigt kleine Schnecke mit gelbem Haus, einfacher Bänderung, auf knallgrüner moosiger Unterlage Überraschende Resultate hat ein großangelegtes Forschungsprojekt erbracht, an dem sich mehrere Tausend Freiwillige in 15 europäischen Staaten beteiligt haben. Die Erfassung von mehr als einer halben Million Schnecken ergab, dass helle Schneckenhäuser in den letzten Jahrzehnten nicht häufiger geworden sind – anders als angesichts der gestiegenen Temperaturen erwartet.

Foto: Erbsensuppe via Wikimedia.org (Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

„Dies ist eine der umfangreichsten Evolutionsstudien, die jemals durchgeführt worden sind“, erklärt Jonathan Silvertown von der Open University im englischen Milton Keynes. Die beteiligten Schulkinder, Familien und Hobbyforscher könnten mit Fug und Recht behaupten, wertvolle wissenschaftliche Arbeit geleistet zu haben. „Unerwartete Ergebnisse sind genau das, was Wissenschaft ausmacht“, so der Forscher.

Silvertown und seine Kollegen hatten dazu aufgerufen, im Freien nach Bänderschnecken (Gattung Cepaea) Ausschau zu halten und die Grundfarbe sowie die Zahl dunkler Bänder auf dem Schneckengehäuse über die Website des Projekts „Evolution MegaLab“ zu melden. Auf diese Weise wollten die Wissenschaftler herausfinden, ob und wie sich Klimaveränderungen auf die Evolution des Gehäuses ausgewirkt haben.

Der Vergleich der neuen Daten zur Hain-Bänderschnecke (Cepaea nemoralis) mit solchen aus früheren Studien ergab, dass der Anteil heller gelber Gehäuse, die besonders wenig Sonnenlicht absorbieren, in den letzten Jahrzehnten insgesamt nicht deutlich zugenommen hat. Lediglich bei Schneckenpopulationen in Dünengebieten ist ein solcher Trend erkennbar. Gleichzeitig ist der Anteil der Schneckenhäuser mit einem einzelnen dunklen, wärmend wirkenden Band gestiegen – allerdings nicht unbedingt auf Kosten von Schneckenhäusern mit mehreren Bändern.

In Wäldern, Hecken und auf Wiesen finden Bänderschnecken offenbar genügend Schatten, folgern Silvertown und Kollegen. Lediglich in Dünengebieten scheine die Gehäusefarbe wichtig für die Regulation der Körpertemperatur zu sein. Wie man das häufigere Auftreten des einzelnen Bandes zu deuten habe, sei dagegen unklar, räumen die Forscher ein. Vielleicht machten sich hier Bestandsschwankungen der Singdrossel und anderer Fressfeinde der Bänderschnecken bemerkbar. Und bei der Klärung dieser Frage könne man sicherlich auf die zahlreichen Vogelfreunde in der Bevölkerung setzen.

Forschung: Jonathan Silvertown, Department of Life Sciences, Open University, Milton Keynes; Laurence Cook, Faculty of Life Sciences, University of Manchester, Manchester; Christian Anton, Department Biozönoseforschung, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung, Halle (Saale); und andere

Veröffentlichung PLoS ONE, Vol. 6(4), e18927, DOI 10.1371/journal.pone.0018927

WWW:
Evolution MegaLab
Bänderschnecken

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Edelmetall stülpt Schneckenhaus um
Schnecke „baut“ sich Tarnhöcker


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