Posted in: Gesundheit, Klima, Tierwelt 14. April 2011 12:44 Weiter lesen →

Bakterien schützen Zecken vor Austrocknung

REM-Aufnahme zeigt Zecke mit flachem Körper und spitz zulaufenden Mundwerkzeugen Wenn Zecken beißen, können sie bakterielle Krankheitserreger auf den Menschen übertragen. Für die Blutsauger selbst bringen die Bakterien sogar Vorteile mit sich, zeigen Experimente zweier schweizerischer Forscherinnen. Infizierte Zecken sind demnach besonders widerstandsfähig gegenüber Hitze und Trockenheit.

Eine Zecke unter dem Rasterelektronenmikroskop. Bild: Michèle Vlimant, Institut de Biologie, UniNE/SNF

Im Zuge des Klimawandels könnten sich mit den Bakterien infizierte Zecken daher besser vermehren als nicht infizierte Zecken, so Coralie Herrmann und Lise Gern von der Universität Neuchâtel. Dies könnte wiederum eine steigende Zahl durch Zeckenbisse verursachter Krankheiten bedeuten, schreiben die beiden Biologinnen im „Journal of Medical Entomology“.

Herrmann und Gern sammelten 1.500 Exemplare des Gemeinen Holzbocks (Ixodes ricinus). Die Zecken ernähren sich vom Blut von Vögeln und Säugetieren. Nicht selten sind die Spinnentiere jedoch mit Bakterien aus der Gruppe der Borrelien infiziert, die beim Mensch unter anderem die Gelenke und das Zentralnervensystem befallen können. Von den untersuchten Exemplaren trug rund ein Drittel Borrelien in sich.

Versuchsweise setzten die Biologinnen die Zecken für zwei Tage in Kammern mit unterschiedlich warmer und feuchter Luft. Erwartungsgemäß überlebten die Tiere bei einer Temperatur von 13 Grad Celsius besser als bei 25 Grad und in feuchter Luft besser als in trockener. Der Infektionsstatus spielte jedoch ebenfalls eine Rolle, stellten die Forscherinnen fest. Beispielsweise überlebten in warmer und trockener Luft nur etwa 30 Prozent der nicht infizierten Zecken, während es bei den infizierten Artgenossen etwa 50 Prozent waren.

Wie viele Menschen durch Zeckenbisse mit Borrelien infiziert werden, ist nicht genau bekannt. Für Deutschland wird die Zahl auf bis zu 100.000 Erkrankungsfälle pro Jahr geschätzt. Wird die Infektion frühzeitig erkannt, kann sie durch Gabe von Antibiotika meist gut behandelt werden. Gegen die ebenfalls durch Zeckenbisse übertragene Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) gibt es eine Impfung.

Forschung: Coralie Herrmann und Lise Gern, Laboratoire de écoépidémiologie, Institut de biologie, Université de Neuchâtel, Neuchâtel

Veröffentlichung Journal of Medical Entomology, Vol. 47(6), pp 1196-1204, DOI 10.1603/ME10111

WWW:
Laboratoires de la parasitologie, Université de Neuchâtel
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