Pflanzliche Invasoren gliedern sich ein

Foto zeigt große, breite Dolde eines Riesen-Bärenklaus in sommerlicher Hügellandschaft Wenn eingeschleppte Pflanzen ein neues Gebiet erobern, tun sie das eher im bildlichen Sinne. Zu diesem Schluss kommt eine sorgfältig koordinierte Studie in mehreren Ländern. Zwar können die Invasoren in ihrer neuen Heimat für Probleme sorgen. Typischerweise sind sie dort aber nicht viel häufiger als in ihrem Ursprungsgebiet.

Der Riesen-Bärenklau stammt ursprünglich aus Zentralasien. Foto: Sir48 at the Danish language Wikipedia (Creative Commons Attribution Share-Alike 3.0 Unported)

Dieses Resultat widerlege die verbreitete Ansicht, in Ermangelung ihrer üblichen Konkurrenten, Fressfeinde und Krankheitserreger übernähmen die Neulinge regelmäßig die Vorherrschaft über die angestammte Flora, schreiben die Forscher um Jennifer Firn von der australischen Forschungsorganisation CSIRO und Stanley Harpole von der Iowa State University im Fachblatt “Ecology Letters”. Bei der Planung von Kontrollmaßnahmen könne man sich daher nach den Verhältnissen im ursprünglichen Verbreitungsgebiet richten.

Firn, Harpole und Kollegen studierten 39 Gebiete in acht Ländern, in denen sich eine oder mehrere fremde Arten von Gräsern und anderen krautigen Pflanzen angesiedelt hatten. Um vergleichbare Zahlen über den Erfolg der Neulinge zu erhalten, nutzten die Forscher stets die gleichen, zuvor festgelegten Methoden. Es zeigte sich, dass die Häufigkeit der Neophyten anhand ihrer Häufigkeit im jeweiligen Ursprungsgebiet vorhersagbar war. Ähnliches galt für die Dominanzhierarchie im Falle mehrerer Neulinge – die Machtverhältnisse zwischen ihnen kehrten sich im neuen Gebiet nicht um.

Laut Harpole folgt der Erfolg von Neophyten einer einfachen Faustregel. Von allen Ankömmlingen könne sich ungefähr ein Zehntel außerhalb von Gewächshäusern und anderen bewirtschafteten Flächen etablieren. Von diesen Überlebenden könne wiederum ein Zehntel ernste Probleme verursachen – unter dem Strich also 1 von 100 eingeschleppten Arten. Diesen Invasoren schenke man dann zu Recht viel Aufmerksamkeit, so der Forscher.

Forschung: Jennifer Firn, CSIRO Ecosystem Sciences, St. Lucia, Queensland; W. Stanley Harpole, Department of Ecology, Evolution and Organismal Biology, Iowa State University, Ames; Yann Hautier, Institut für Evolutionsbiologie und Umweltwissenschaften, Universität Zürich; und andere

Veröffentlichung Ecology Letters, Vol. 14(3), pp 274-81, DOI 10.1111/j.1461-0248.2010.01584.x

WWW:
CSIRO Ecosystem Sciences
Harpole Lab, Iowa State University
NeoFlora – Invasive gebietsfremde Pflanzen in Deutschland

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1 Kommentar zu "Pflanzliche Invasoren gliedern sich ein"

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  1. Julian sagt:

    Das Problem mit Invasoren ist ja nicht nur im Bereich der Pflanzenwelt problematisch, denkt man einmal an die Barsche im Viktoriasee.
    Wenn ich es hier aber richtig deute, kann es aber durchaus auch von Nutzen sein

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