Posted in: Pflanzenwelt 24. Februar 2011 17:19 Weiter lesen →

Dünger, aus der Luft gegriffen

Foto zeigt leuchtend-grünes Moospolster auf zerfurchter graubrauner Baumrinde Alte Bäume sind für den Wald möglicherweise wichtiger als bislang angenommen. Eine kanadische Forscherin hat ermittelt, dass in den Kronen alter Fichten große Mengen von Stickstoff gebunden und in organische Form überführt werden. Verantwortlich dafür sind Bakterien im Moosbewuchs der Äste.

Foto: Lamiot via Wikimedia.org (Creative Commons Attribution Share-Alike 3.0 Unported)

Wenn dieses Material mit ablaufendem Regenwasser oder als Folge von Windbruch in den Boden gelange, komme es als Dünger dem ganzen Bestand zugute, erläutert Zoë Lindo von der McGill University in Montréal. Junge Bäume seien noch nicht ausreichend von Moos bewachsen, um sich in dieser Hinsicht merklich auszuwirken.

Lindo führte ihre Untersuchung in einem Biosphärenreservat an der kanadischen Westküste durch, in dem mehr als 500 Jahre alte Sitka-Fichten (Picea sitchensis) stehen. Frühere Untersuchungen hatten gezeigt, dass ein solcher Baumveteran typischerweise Moospflanzen mit einem Trockengewicht von mehr als 35 Kilogramm trägt. Diese Epiphyten werden wiederum von Cyanobakterien besiedelt, die gasförmigen Luftstickstoff in eine für Pflanzen und Tiere verwertbare Form umwandeln können.

Um die Bedeutung der Untermieter-Flora für die Nährstoffversorgung einschätzen zu können, sammelte die Forscherin Moos, das zu Füßen von 18 Bäumen sowie in 15 und 30 Metern Höhe auf deren Ästen wuchs. Labormessungen der Stoffwechselaktivität ergaben, dass die Moosdecke am Boden etwa 260 Gramm Stickstoff pro Hektar und Jahr fixieren kann. Für das Moos im Astwerk ergab sich dagegen ein Wert von etwa 500 Gramm pro Hektar und Jahr, berichten Lindo und ihr Kollege Jonathan Whiteley im Fachblatt „Plant and Soil“.

Zu dem Beitrag der Moose müsse noch der von Flechten, anderen Epiphyten und direkt auf der Rinde lebenden Bakterien hinzugerechnet werden, so Lindo weiter. Der über dem Erdboden fixierte Stickstoff sei umso wichtiger, als das Nährelement in Wäldern der gemäßigten Breiten oft Mangelware sei. „Große, alte Bäume sind also ein integraler Bestandteil des Waldes.“

Forschung: Zoë Lindo und Jonathan A. Whiteley, Department of Biology, McGill University, Montréal, Québec

Veröffentlichung Plant and Soil, DOI 10.1007/s11104-010-0678-6

WWW:
Homepage Zoë Lindo, McGill University
Stickstoff-Fixierung
Epiphytes and Forest Management
Sitka-Fichte

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