Posted in: Tierwelt 24. Februar 2011 20:00 0 Kommentare Weiter lesen →

Brückenkopf für Feuerameisen

Foto zeigt große Ameisenkönigin auf einem Untergrund aus weißen Larven, umgeben von kleineren Arbeiterinnen Krankheitserreger und Computerviren breiten sich besonders rasch aus, nachdem sie einen gut vernetzten Menschen oder Rechner befallen haben. Das Gleiche gilt für die berüchtigte Feuerameise, hat eine internationale Forschergruppe entdeckt. Ursprünglich in Südamerika heimisch, konnte sich der Schädling im großen Stil ausbreiten, erst nachdem er in die Vereinigten Staaten eingeschleppt worden war.

Foto: Courtesy of Kenneth G. Ross

Dieses Muster verdeutliche eine negative Konsequenz eines globalen, an Intensität und Verbindungsgrad zunehmenden Handels und Tourismus, folgern die Wissenschaftler um DeWayne Shoemaker vom US-Landwirtschaftsministerium und von der University of Florida. Ihre Resultate präsentieren sie im Magazin “Science”.

Die Rote Feuerameise (Solenopsis invicta) tauchte in den 30er-Jahren im Süden der Vereinigten Staaten auf. Seitdem breitet sich die Art in Nordamerika aus und hat in den letzten zwei Jahrzehnten auch die Karibik, Asien und Australien erreicht. Die Tiere dezimieren die heimische Fauna und verursachen erhebliche Ernteausfälle sowie Schäden an technischen Anlagen. Nicht zuletzt gehen regelmäßig medizinische Notfälle auf das Konto der kleinen, aber aggressiven Ameisen.

Shoemaker und Kollegen führten genetische Untersuchungen an 2.144 Kolonien der Roten Feuerameise in allen Teilen ihres derzeitigen Verbreitungsgebiets durch. Insgesamt fanden sie 322 Varianten im Mitochondrien-Erbgut der Tiere, von denen jedoch 311 nur in Südamerika auftreten. Die wenigen, auf allen übrigen Kontinenten vorkommenden Varianten finden sich in Südamerika dagegen nur bei einer Handvoll Kolonien im Nordosten Argentiniens – offenbar der Ausgangspunkt des Eroberungszugs. Ein ähnliches Bild zeigte sich bei der Betrachtung weiterer Erbgutabschnitte.

Auf Basis ihrer Analysen vermuten die Forscher, dass die südlichen US-Bundesstaaten als Brückenkopf für die Rote Feuerameise fungieren. Erst von dort aus gelangte die Art bei mindestens neun Gelegenheiten nach Übersee, etwa nach China, Taiwan und Australien. Lediglich eine der beiden Linien in Taiwan scheint auf Tiere zurückzugehen, die zunächst nach Kalifornien verschleppt worden waren.

Shoemakers Kollegin Marina Asunca wertet die neuen Resultate als handfeste Überraschung. “Ich war davon ausgegangen, dass zumindest eine der Populationen in den jüngst befallenen Gebieten aus Südamerika stammt. Alle genetischen Daten zeigen jedoch, dass der wahrscheinlichste Ausgangspunkt in diesen Fällen der Süden der Vereinigten Staaten ist.”

Forschung: Marina S. Asunce, Chin-Cheng Yang und DeWayne Shoemaker, Center for Medical, Agricultural, and Veterinary Entomology, USDA-Agricultural Research Service, Florida Museum of Natural History, University of Florida, Gainesville, und Department of Entomology, National Taiwan University, Taipei; und andere

Veröffentlichung Science, Vol. 331, 25. Februar 2011, pp 1066-8, DOI 10.1126/science.1198734

WWW:
Center for Medical, Agricultural, and Veterinary Entomology, USDA-ARS
Florida Museum of Natural History
Red Imported Fire Ant
Global Invasive Species Programme

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