Posted in: Natur- und Umweltschutz, Tierwelt 24. Januar 2011 13:41 Weiter lesen →

Nebelparder mit bewegter Vergangenheit

Blitzlichtaufnahme zeigt bräunliche, leopardenähnliche Großkatze mit großen Flecken auf Waldboden Die Nebelparder Südostasiens haben eine bewegte Vergangenheit. Diesen Schluss legen Untersuchungen einer internationalen Forschergruppe nahe. Bedingt unter anderem durch einen verheerenden Vulkanausbruch, scheinen die nach wie vor geheimnisvollen Großkatzen auf dem besten Weg zu sein, sich in drei Spezies aufzuspalten.

In die Kamerafalle gegangen – ein Borneo-Nebelparder (Neofelis diardi borneensis). Foto: Wilting & Mohamed, Sabah Wildlife Department, Sabah Forestry Department

„Obwohl wir vermuteten, dass die Nebelparder auf Borneo und Sumatra schon seit der letzten Eiszeit geografisch getrennt gewesen sein mussten, konnten wir nicht sagen, ob sich beide durch diese lange Isolierung bereits so verändert haben, dass sie als getrennte Unterarten anzusehen seien“, erklärt Andreas Wilting vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin. Die neuen Resultate sprechen für eine solche Unterteilung in zwei Inselarten zusätzlich zu einer Festlandart, fanden der Forscher und seine Kollegen. Umso dringender geboten sei der Schutz der vom Aussterben bedrohten Katzen.

Nebelparder sind in den Wäldern Südostasiens heimisch und verbringen wahrscheinlich einen großen Teil ihres Lebens auf Bäumen. Die Kletterkünstler werden ungefähr so groß wie hiesige Luchse und zeichnen sich unter anderem durch ihre großen Fellflecken aus. Erst vor einigen Jahren war entdeckt worden, dass die Individuen auf dem Festland und jene auf den Sunda-Inseln zwei verschiedenen Arten zugeordnet werden können.

Wilting und Kollegen nahmen die Verwandtschaftsverhältnisse des Sunda-Nebelparders nun genauer unter die Lupe. Die Forscher studierten Körperbau und Erbgut der Inselkatzen anhand von Museumsexemplaren, Kotproben sowie Fotos aus Kamerafallen. Wie sie im Fachblatt „Molecular Phylogenetics and Evolution“ berichten, dürften die Katzen auf Borneo und Sumatra seit mindestens 10.000 Jahren, seit der Überflutung der eiszeitlichen Landbrücken, getrennte Wege gehen. Des ungeachtet weisen sie eine beinahe identische Fellzeichnung auf – wahrscheinlich als Anpassung an den Lebensraum.

„Über die genauen Abläufe in der Evolution des Nebelparders können wir bisher nur spekulieren“, so Wiltings Institutskollege Jörns Fickel. Neben den eiszeitlichen Schwankungen des Meeresspiegels spiegelt die Aufspaltung der Verwandtschaftslinie wohl auch den Ausbruch des Toba vor 75.000 Jahren wider, glauben die Forscher. Diesem Szenario zufolge, überlebten den Ausbruch des Supervulkans auf Sumatra lediglich zwei Nebelparder-Populationen in Südchina und auf Borneo. Letzterer gelang es später, Sumatra wiederzubesiedeln und sich dort zu einer eigenständigen Unterart zu entwickeln.

Forschung: Andreas Wilting und Jörns Fickel, Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung, Berlin; Per Christiansen, Institut for Kemi, Miljø og Bioteknologi, Aalborg Universitet; Andrew C. Kitchener, Department of Natural Sciences, National Museums Scotland, Edinburgh; und andere

Veröffentlichung Molecular Phylogenetics and Evolution, DOI 10.1016/j.ympev.2010.11.007

WWW:
Leibniz-Institut für Zoo- und Wildttierforschung
Clouded Leopards
Toba

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Forscher: Vulkanausbruch entwaldete Indien


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1 Kommentar zu "Nebelparder mit bewegter Vergangenheit"

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  1. Belzer sagt:

    Statt von Arten sollten Biologen korrekterweise von Rassen sprechen, da sich die Mitglieder verschiedener Rassen durchaus noch untereinander vermehren können. Der nichtunterscheidende Sprachgebrauch von Arten und Rassen ist schlichtweg „Bad Science“.