Posted in: Fischerei, Meeresforschung, Tierwelt 12. Januar 2011 19:30 0 Kommentare Weiter lesen →

Fische streunen nach Gehör

Foto zeigt kleinen dunkelblauen Fisch vor leuchtend orangeroter Fächerkoralle Wenn junge Fische eine dauerhafte Bleibe suchen, lassen sie sich auch von ihrem Gehör leiten. Das belegen Experimente neuseeländischer und englischer Meeresbiologen. Tonaufnahmen des Treibens in verschiedenen Riffen locken demnach vor allem solche Fischarten an, die den jeweiligen Rifftyp auch natürlicherweise als Lebensraum bevorzugen.

Foto: Nhobgood via Wikimedia.org (Creative Commons Attribution Share-Alike 3.0 Unported)

Junge, dem Larvenstadium bereits entwachsene Fische machten sich vor allem des Nachts auf, um sich ein geeignetes Fleckchen für ihr weiteres Leben zu suchen, erläutert Stephen Simpson von der Universität Bristol. Offenbar richteten sie sich dabei auch nach den vielfältigen Geräuschen, wie sie von Riffbewohnern wie Krebsen, Seeigeln und anderen Fischen produziert würden. “Das ist ungefähr so, als würde man sich auf einem Festival kurz die Musik auf den verschiedenen Bühnen anhören und dann entscheiden, wo man sein Zelt aufschlägt.”

Die Gruppe um Simpson und seinen Kollegen Craig Radford von der Universität Auckland führte ihre Experimente im Großen Barriereriff vor Australien durch. Die Forscher legten dort kleine künstliche Riffe an, die sie mit Unterwasserlautsprechern bestückten. Einen Sommer lang spielten sie in den Nächten um den Neumond herum Tonaufnahmen aus Lagunen oder Saumriffen ab und erfassten am nächsten Morgen, ob und welche Jungfische sich über Nacht eingefunden hatten.

An beschallten Kunstriffen wurden bei rund 40 Prozent der Tauchgänge neue Bewohner gefunden, an stillen Kunstriffen waren es dagegen nur etwa 20 Prozent, berichtet die Gruppe im Fachblatt “Coral Reefs”. Und während es Scheinschnäpper (Nemipteridae) in gut zwei Drittel der Fälle in die vermeintlichen Lagunen zog, zeigten Riffbarsche (Pomacentridae) eine ähnlich starke Vorliebe für die vermeintlichen Saumriffe. Diese Zahlen ständen im Einklang mit den natürlichen Präferenzen der Fische für sandigen Meeresgrund bzw. dicht an dicht stehende Korallenblöcke, so die Forscher.

Noch vor wenigen Jahren sei bezweifelt worden, dass das Gehör von Fischen überhaupt genügend leistungsfähig sei, um in deren Leben eine wichtige Rolle zu spielen, erklärt Radford. “Unsere Studie zeigt, dass sowohl die Schallqualität als auch die Richtung der Schallquelle kritische Entscheidungsprozesse bei jungen Fischen beeinflussen.” Umso stärker könnte sich Lärm von Schiffen, Rammen oder Bohrgerät auf die Orientierung der jungen Streuner auswirken – und damit auch auf die Grundlage von Fischerei und Tourismus.

Forschung: Craig A. Radford, Jenni A. Stanley und Andrew G. Jeffs, Leigh Marine Laboratory, University of Auckland, Warkworth; Stephen D. Simpson, School of Biological Sciences, University of Bristol

Veröffentlichung Coral Reefs, DOI 10.1007/s00338-010-0710-6

WWW:
Leigh Marine Laboratory, University of Auckland
Biological Sciences, University of Bristol
Riffarten
Riffe.de
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