Posted in: Klima, Land, Pflanzenwelt 17. Dezember 2010 15:36 0 Kommentare Weiter lesen →

Wald aus dem Eis

Foto zeigt Wurzelwerk, halb freigelegt in altem kargem Boden Einen vor Jahrmillionen eingefrorenen Wald haben amerikanische Forscher im äußersten Norden Kanadas freigelegt. Unter Erdreich begraben und von der eisigen Kälte konserviert, kommen die alten Bäume infolge des Klimawandels wieder ans Tageslicht und beginnen zu verrotten.

Foto: Joel Barker, courtesy of Ohio State University

Wahrscheinlich seien die Bäume vor 2 bis 8 Millionen Jahren von einem Hangrutsch begraben worden, erklärt Joel Barker von der Ohio State University. “Und weil ihre Biomasse bis heute erhalten geblieben ist, liefern sie uns ein hochauflösendes Bild von den damaligen Klimaveränderungen und der Reaktion der Pflanzen darauf.”

Die Fundstätte des Walds liegt merh als 1.500 Kilometer jenseits des nördlichen Polarkreises auf Ellesmere Island. Bereits vor zwei Jahren war Barker von einem Angestellten des dortigen Nationalparks auf Pflanzenreste aufmerksam gemacht worden, die neben einem schmelzenden Gletscher aus dem Boden ragten. In diesem Jahr nahmen der Geowissenschaftler und seine Kollegen die systematische Untersuchung des Materials in Angriff.

Die erste Begutachtung zeigte, dass die Stämme, Äste und Blätter von Birken und Fichten stammen. Die Bäume waren bis zu 75 Jahre alt, wiesen allerdings einen kümmerlichen Wuchs mit sehr schmalen Jahresringen auf, zudem war ihr Laub nur spärlich entwickelt. Solche Merkmale wiesen auf harsche Umweltbedingungen hin, erklärt Barker: “Diese Bäume mussten sechs Monate Dunkelheit im Jahr und ein kühler werdendes Klima ertragen.”

Die Forscher wollen nun nach Pollenkörnern und Überresten von Insekten und anderen Tieren fahnden, um mehr über die einstige Lebensgemeinschaft zu erfahren. Ihrer Ansicht nach könnte die uralte Biomasse klimarelevante Mengen von Treibhausgasen abgeben, indem auch andernorts in der Arktis alte Wälder vom Eis freigegeben werden. “Man muss da allerdings klar unterscheiden”, erklärt Barkers Institutskollege David Elliot. “Verglichen mit dem, was man beim Fahren eines Autos freisetzt, ist der Kohlenstoff in dem kleinen, von uns untersuchten Vorkommen völlig belanglos.”

Forschung: Joel D. Barker, Yu-Ping Chin und David H. Elliot, School of Earth Sciences und Byrd Polar Research Center, Ohio State University, Columbus; und andere

Präsentation auf dem 2010 Fall Meeting of the American Geophysical Union, San Francisco, #PP51A-1576

WWW:
Barker Lab, Ohio State University
Quttinirpaaq National Park
Gletscher und Eisschilde

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Gletscher setzen alte Schadstoffe frei
Schwedischer Gletscher gibt alte Baumreste frei


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