Posted in: Tierwelt 9. Dezember 2010 13:34 Weiter lesen →

Anpfiff von der Raupe

Foto zeigt kleinen goldgelben Vogel in geduckter Haltung auf einem Zweig Wenn sich die Raupen eines nordamerikanischen Schmetterlings bedrängt fühlen, geben sie hochfrequente Pfeiflaute ab. Diese Pfiffe sind ein erstaunlich effektives Abwehrmittel, haben kanadische Forscherinnen entdeckt: Auf Vögel wirken sie derart verstörend, dass die Räuber die vermeintlich leichte Beute tunlichst in Frieden lassen.

Foto: Paul Asman und Jill Lenoble via Flickr (Creative Commons Attribution 2.0 Generic)

Raupen seien ihren Fressfeinden alles andere als hilflos ausgeliefert, erläutern Veronica Bura und Jayne Yack von der Universität Carleton. Sei eine Raupe erst einmal entdeckt, könne sie ihrem Feind durch Abseilen entkommen oder ihn mit grellen Farben, Haaren, Gift und Hervorgewürgtem abschrecken. Die neuen Resultate belegten, dass die Palette der Abwehrmaßnahmen auch akustische Mittel umfasse, schreiben die Forscherinnen im „Journal of Experimental Biology“.

Bura und Yack führten ihre Experimente mit den Raupen des Walnussschwärmers (Amorpha juglandis) durch. Die großen grasgrünen Raupen produzieren eine Folge heller und teils etwas verrauscht klingender Laute, wenn sie von einem Vogel attackiert oder von einem Menschen angefasst werden. Diese Pfiffe erreichen Frequenzen bis zu 80 Kilohertz und kräftige Schalldruckpegel von bis zu 82 Dezibel in fünf Zentimetern Abstand, ermittelten die Forscherinnen.

Anders als die Klick- und Brummlaute anderer Schmetterlingsraupen, kommen die Pfiffe jedoch nicht aus dem Maul, ergaben nähere Untersuchungen. Sie entstehen vielmehr, wenn die Raupen bei einer Berührung Luft aus dem hintersten Paar der Atemöffnungen an ihrer Körperflanke ausstoßen. Gleichzeitig richten sich die Tiere auf und zucken in Richtung des mutmaßlichen Angreifers, als wollten sie ihn beißen.

Vögeln flößt dieses Verhalten großen Respekt ein, ergaben Tests, bei denen Zweige mit Raupen in die Käfige von Goldwaldsängern gelegt wurden. In allen Fällen überlebten die Raupen unverletzt, weil die Vögel nach zwei abgebrochenen Angriffen derart irritiert waren, das sie das Interesse verloren oder sogar in Deckung gingen.

Eine solche Reaktion sei zunächst überraschend, aus Perspektive eines Vogels jedoch nachvollziehbar, erläutert Yack. „Man hat ohnehin nicht unbegrenzt Zeit, während man im Blätterdach nach etwas Fressbarem sucht, und schließlich findet man etwas gut Getarntes, greift es an und plötzlich macht es diese Laute! Keine Frage, dass man davon ablässt und sich lieber nach etwas anderem umschaut.“

Forschung: Veronica L. Bura und Jayne E. Yack, Department of Biology, Carleton University, Ottawa; Vanya G. Rohwer und Paul R. Martin, Department of Biology, Queen’s University, Kingston

Veröffentlichung Journal of Experimental Biology, Vol. 214, pp 30-7, DOI 10.1242/jeb.046805

WWW:
Neuroethology Lab, Jayne Yack
Amorpha juglandis
Das Raupenstadium

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Parasiten verändern Raupen-Geschmack
Raupe erlegt Schnecken


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