Posted in: Landwirtschaft, Tierwelt 25. November 2010 17:49 Weiter lesen →

Exot mit starken Abwehrkräften

Foto zeigt kompakten Käfer, orangefarbene Flügeldecken mit schwarzen Flecken, den Kopf in eine Frucht versenkt Ein zur Schädlingsbekämpfung eingeführter Marienkäfer ist nicht nur in puncto Appetit seinen heimischen Verwandten überlegen. Das belegen Untersuchungen baden-württembergischer Forscher. Auch das Immunsystem des Asiatischen Marienkäfers arbeitet durchgängig auf Hochtouren und macht ihn zur umso stärkeren Konkurrenz für die hiesigen Spezies.

Der Asiatische Marienkäfer kann auf pflanzliche Kost ausweichen. Foto: J. Gross/Julius-Kühn-Institut (Dossenheim)

Selbst ohne vorherige Konfrontation mit Mikroben entfaltet die Leibesflüssigkeit, die Hämolymphe, des Asiatischen Marienkäfers eine extrem starke Wirkung gegen Bakterien und Pilze, ermittelten Jürgen Gross und seine Kollegen vom Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen in Dossenheim. Gemessen an der Antibiotikadosis, mit der sich ein ähnlich starker Effekt erzielen lässt, ist die Wirkung einige Tausend Mal stärker als im Falle des heimischen Siebenpunkt-Marienkäfers. Dessen Immunsystem muss zudem erst provoziert werden.

Der Asiatische Marienkäfer (Harmonia axyridis) stammt aus Zentral- und Ostasien und wird zur Bekämpfung von Blattläusen eingesetzt. Der Exot frisst schneller als hiesige Arten und kann außerdem auf alternative Nahrung ausweichen – etwa auf Früchte, aber auch auf die Larven des Siebenpunktes. Darüber hinaus vermehrt er sich schneller und ist höchst widerstandsfähig gegen Krankheitserreger.

Nicht von ungefähr hat sich der asiatische Käfer in Teilen Nordamerikas bereits zur vorherrschenden Marienkäferart entwickelt. In Europa, wo sein Einsatz in den 80er-Jahren und etwas später als in Amerika begann, hat er in dreizehn Staaten zumindest Fuß gefasst. Von sich reden macht er unter anderem dadurch, dass er in der kühlen Jahreszeit massenhaft an und in Häusern auftritt.

Forschung: Jürgen Gross, Astrid Eben, Ina Müller und Annette Wensing, Institut für Pflanzenschutz in Obst- und Weinbau, Julius-Kühn-Institut – Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen, Dossenheim

Veröffentlichung Journal of Chemical Ecology, Vol. 36, pp 1180-8, DOI 10.1007/s10886-010-9867-2

WWW:
Julius-Kühn-Institut
Marienkäfer

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