Posted in: Klima, Meeresforschung, Tierwelt 28. Oktober 2010 13:37 Weiter lesen →

Narwale als lebende Thermometer

Foto zeigt drei Narwale, bei einem ragt der lange, spiralig gedrehte Stoßzahn aus dem Wasser, an der Meeresoberfläche Narwale lassen sich einsetzen, um die Bedingungen in schwer zugänglichen Meeresregionen zu erkunden. Entsprechende Versuche haben amerikanische und grönländische Forscher angestellt. Mit kleinen Sensoren samt Funksendern versehen, lieferten die Tiere detaillierte Temperaturdaten aus dem von Packeis bedeckten Meer zwischen Grönland und Kanada.

Der Stoßzahn männlicher Narwale ist vermutlich ein Produkt sexueller Selektion. Foto: NOAA/University of Washington

„Die Narwale erwiesen sich als höchst effiziente und kosteneffektive biologische Ozeanographen“, erklärt Kristin Laidre von der University of Washington. Die Spezies sei für derartige Messungen besonders gut geeignet, da die Tiere regelmäßig senkrecht bis zum Grund der Tiefsee abtauchten, um Plattfische zu erbeuten. Die neuen Daten bestätigten den Trend zu steigenden Wassertemperaturen im Winter, wie man ihn im Rahmen aufwändiger Expeditionen beobachtet habe.

Narwale (Monodon monoceros) zeichnen sich nicht nur durch den imposanten Stoßzahn der Männchen aus, sondern auch durch ihre Vorliebe für dichtes Packeis. Solche Bedingungen herrschen im Winterhalbjahr in der Baffinbai und der sich anschließenden Davisstraße – einem gut 700.000 Quadratkilometer großen Meeresgebiet zwischen Grönland und Nordamerika, in dem salzarmes, durch Schmelzwasser verdünntes Meerwasser in den Nordatlantik strömt.

Mit Netzen fingen Laidre und Kollegen in der Baffinbai insgesamt 14 Narwale, befestigten kleine Messgeräte auf dem Rücken der Tiere und ließen sie wieder frei. Bis sich die Geräte nach einigen Monaten von selbst lösten, sammelten sie Daten über die verschiedenen Wasserschichten, die die Wale bei ihren Tauchgängen durchquerten. Stichprobenartige Messungen vom Helikopter aus bestätigten die Wal-Werte.

In den Jahren 2006 und 2007 erreichten die Wassertemperaturen demnach bis zu 4,6 Grad Celsius und lagen damit um fast 1 Grad höher als jene Werte, die derzeit in Klimamodellen verwendet werden, berichten die Forscher im „Journal of Geophysical Research“. Zudem war die oberste Wasserschicht mit gleichmäßig kalten Temperaturen bis zu 80 Meter weniger mächtig als angenommen. Sollte sich diese Entwicklung fortsetzen, könnte sie die Eisbedeckung und die gesamte Ökologie der Baffinbai stark verändern, so Laidre.

Forschung: Kristin L. Laidre, Wendy Ermold und Michael Steele, Polar Science Center, Applied Physical Laboratory, University of Washington, Seattle; Mads Peter Heide-Jørgensen, Grønlands Naturinstitut, Nuuk

Veröffentlichung Journal of Geophysical Research – Oceans, Vol. 115, C10049, DOI 10.1029/2009JC005820

WWW:
Polar Science Center, University of Washington
Grønlands Naturinstitut
Tracking Narwhals in Greenland
Monodon monoceros

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Meeres-Messnetz mit 3.000 Knoten
Narwal-Stoßzahn arbeitet als Messfühler


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