Posted in: Pflanzenwelt 18. Oktober 2010 17:24 Weiter lesen →

Ein neuer Goldrausch

Foto zeigt Flechte als weißen geweihartigen Bewuchs mit sattbraunen blattartigen Fruchtkörpern auf einem Ast Mehr als ein Jahrhundert nach dem Einfall der Glücksritter ist Alaska wieder für einen Goldrausch gut – zumindest im übertragenen Sinne. Europäische und amerikanische Forscher haben entlang der Pfade, auf denen unzählige Goldsucher an den Klondike strömten, nicht weniger als 766 Arten von Flechten und flechtenbewohnenden Pilzen identifiziert. Rund ein Zehntel davon lässt sich bislang keiner bekannten Art zuordnen.

Foto: Karl-Franzens-Universität Graz

„Wir haben einen unglaublichen Hotspot der Biodiversität gefunden“, freut sich Toby Spribille von der Universität Graz. Anhand ihrer Daten schätzen der Botaniker und seine Kollegen, dass im Klondike Gold Rush National Historical Park an der Grenze zwischen Alaska und Yukon mehr als 1.000 Flechtenarten vorkommen – sehr viel mehr als im Yellowstone und anderen, berühmteren und ungleich größeren Nationalparks.

Flechten sind Mischlebewesen, in denen sich Pilze mit Algen oder Cyanobakterien zusammentun. Erstere bieten Schutz vor Austrocknung und Strahlung, letztere betreiben dagegen Photosynthese und versorgen ihren „Hausherren“ mit Kohlenhydraten.

Überraschend sei vor allem, dass sich eine solche Vielfalt in einer derart hohen geografischen Breite finde, so Spribille weiter. „Es wird allgemein angenommen, dass die Biodiversität in Richtung Pole abnimmt, das ist aber bei den Flechten nicht unbedingt der Fall.“

Forschung: Toby Spribille, Institut für Pflanzenwissenschaften, Karl-Franzens-Universität Graz; Sergio Pérez-Ortega, Instituto de Recursos Naturales, CSIS-Centro de Ciencias Medioambientales, Madrid; und andere

Veröffentlichung The Bryologist, Vol. 133(3), pp 439-515, DOI 10.1639/0007-2745-113.3.439

WWW:
Arbeitsgruppe Lichenologie, Uni Graz
Flechte
Klondike Gold Rush National Historical Park

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Eine Flechte für den Präsident
Unerkannte Pflanzenvielfalt in der Arktis

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