Posted in: Atmosphäre, Klima, Meeresforschung 6. Oktober 2010 20:55 Weiter lesen →

Vulkan lässt Plankton blühen

Satellitengrafik zeigt Aleuten-Inselbogen und Golf von Alaska, über dem blauen Meer die mäandrierende, gelb-grüne Aschewolke Die Ursache einer außergewöhnlichen Planktonblüte haben kanadische und amerikanische Forscher ermitteln können. Als im August 2008 der Nordostpazifik förmlich ergrünte, war der Grund die wie Mineraldünger wirkende Asche eines Vulkanausbruchs. Die umfangreichen Messdaten wecken allerdings neue Zweifel an der Idee, den Treibhauseffekt durch die gezielte Düngung der Weltmeere einzudämmen.

Die Asche des Kasatochi wurde vom Wind über ein großes Gebiet verteilt. Bild: University of Victoria

Die imposante Blüte ereignete sich in einem gut 1.000 Kilometer breiten Streifen zwischen der Inselkette der Aleuten und der kanadischen Westküste. Die massenhafte Vermehrung einzelliger Algen bewirkte, dass das Meeresgebiet zusätzliche 0,01 Petagramm (Milliarden Tonnen) Kohlenstoff in Form von Kohlendioxid aus der Atmosphäre aufnahm, schätzen Roberta Hamme von der Universität im kanadischen Victoria und ihre Kollegen. Allein durch die Verbrennung fossiler Kraftstoffe werde jährlich das 650-Fache dieser Menge freigesetzt.

Hamme und Kollegen analysierten Satellitenaufnahmen sowie Messdaten eines Forschungsschiffs, einer Messboje und eines Unterwassergleiters, um die Ursache der Planktonblüte einzugrenzen. Die Daten lassen sich demnach nur durch den Ausbruch des Vulkans Kasatochi erklären, schreibt die Gruppe im Fachblatt „Geophysical Research Letters“. Zu den Aleuten gehörend und etwa auf halber Strecke zwischen Alaska und Kamtschatka gelegen, war der Vulkan am 3. August 2008 nach langem Schlaf zu neuem Leben erwacht und hatte Asche bis in die Stratosphäre geschleudert.

2 Satellitengrafiken zeigen starke, großflächige Planktonblüte im Jahr 2008, zum Vergleich das Jahr 2007 Die Planktonblüte ist an der erhöhten Chlorophyll-Konzentration an der Meeresoberfläche zu erkennen. Bild: University of Victoria

„Normalerweise wird Asche von Vulkanausbrüchen vom Wind zu einem schmalen Band verweht“, erläutert Hamme. „In diesem Fall bildete sich zum Zeitpunkt der Eruption jedoch ein Sturm über dem Kasatochi.“ Die mineralischen Aschepartikel seien daher über eine große Fläche verteilt worden, bevor sie ins Meer gesunken seien und mit ihrem Eisengehalt das Wachstum von Kieselalgen und anderem Phytoplankton angekurbelt hätten.

Die resultierende Planktonblüte zeigt sich auf den Satellitenbildern als starke Zunahme der Chlorophyll-Konzentration an der Meeresoberfläche. Ein derartiger Anstieg sei niemals zuvor seit Beginn der Satellitenbeobachtungen im Jahr 1997 registriert worden, so Hamme weiter. „Dieses Ereignis verschafft uns eine Vorstellung von dem Maßstab, in dem gezielte Eisendüngungen erfolgen müssten, um merklichen Einfluss auf den Kohlendioxidgehalt der Atmosphäre zu haben.“

Forschung: Roberta C. Hamme und Damian S. Grundle, School of Earth and Ocean Sciences, University of Victoria, Victoria, British Columbia; Peter W. Webley, Alaska Volcano Observatory, University of Alaska, Fairbanks; und andere

Veröffentlichung Geophysical Research Letters, Vol. 37, L19604, DOI 10.1029/2010GL044629

WWW:
School of Earth and Ocean Sciences, University of Victoria
Alaska Volcano Observatory
Kasatochi Activity
Der Kohlenstoffkreislauf

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