Posted in: Natur- und Umweltschutz, Tierwelt 30. September 2010 13:03 Weiter lesen →

In der Schweiz lebt der Uhu gefährlich

Ein Uhu sitz auf einem Strommast In der Schweiz sterben so viele Uhus durch Stromschlag an Freileitungsmasten, dass die Art regional vom Aussterben bedroht ist. Das zeigt eine Studie der Universität Bern im Wallis. Während die Uhu-Bestände in weiten Teilen Europas leicht ansteigen, stagnieren sie in der Schweiz oder sind gar rückläufig. Nur etwa 10 Prozent der Uhus im Wallis überleben das erste Jahr. Jedes vierte Tier stirbt durch Stromschlag an veralteten Freileitungsmasten, welche den heutigen Sicherheitsstandards nicht mehr entsprechen.

Foto: Adrian Aebischer, Universität Bern.

Im Wallis lebt nur eine kleine Population von etwa zehn Brutpaaren der größten Eulenart Europas. Die Forscher der Universität Bern und der Schweizerischen Vogelwarte Sempach markierten junge Uhus mit Sendern und verfolgten sie nach dem Ausfliegen mittels Satellitentelemetrie. In einem zweiten Schritt entwickelten sie ein demographisches Modell, in dem die Telemetriedaten, Informationen zur Populationsentwicklung und zum Bruterfolg sowie zum Alter von tot gefundenen Individuen einflossen.

Die Sterblichkeitsrate der Uhus sei mit rund 40 Prozent im Jahr extrem hoch, so die Forscher. Die Population bleibe nur konstant, weil sie massive Zuwanderung aus Frankreich und Italien erhalte. Ginge die Zahl der Immigranten auch nur leicht zurück, so würde die Walliser Uhu-Population in kurzer Zeit aussterben. Dagegen könnte sie jährlich um rund 17 Prozent zunehmen, wenn alle gefährlichen Freileitungsmasten saniert würden. Theoretisch könnte sich die Uhu-Population unter diesen Bedingungen innerhalb von rund acht Jahren verdreifachen.

Das Wissen, wie elektrische Leitungen vogelsicher saniert werden können, sei schon lange vorhanden, sagen die Forscher. Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) habe einen aktuellen Katalog der gefährlichen Freileitungsmasten sowie der wichtigsten Sanierungsmassnahmen publiziert. Im Wallis und im Berner Seeland gebe es auch schon einzelne Sanierungsmaßnahmen. Momentan befänden sich aber noch mehrere Tausend gefährlicher Masten in der ganzen Schweiz.

„Die Elektrofirmen haben eine große Verantwortung gegenüber dem Schutz und dem langfristigen Überleben des Uhus und anderer gefährdeter Vogelarten“, sagt Studienleiter Raphaël Arlettaz; „sie sind gebeten, diese elektrischen Fallen umgehend zu sanieren – sowohl um die rechtlichen Richtlinien zu erfüllen als auch um ein Ökolabel zu verdienen.“

Forschung: Raphaël Arlettaz, Adrian Aebischer, Michael Schaub, Institut für Ökologie und Evolution der Universität Bern u.a., in „Biological Conservation“, Volume 143, Issue 8, pp 1911-1918

WWW:
Institut für Ökologie und Evolution der Universität Bern
Veröffentlichung in „Biological Conservation“
Broschüre „Vogelschutz an Starkstrom-Freileitungen“

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