Posted in: Stadt, Tierwelt 24. September 2010 13:04 Weiter lesen →

Stadtleben entkoppelt Räuber und Beute

Foto zeigt Kohlmeise, mit gelber Brust, schwarz-weißem Kopf, auf einem Holzzaun Für Vögel kann es sich gleich mehrfach auszahlen, sich an den Menschen und an den Lärm der Stadt zu gewöhnen. Das haben amerikanische Ökologinnen im Rahmen einer mehrjährigen Studie ermittelt. Vogelnester in ländlichen Regionen werden demnach umso öfter ausgeräubert, je mehr Fressfeinde es in dem jeweiligen Gebiet gibt. In der Stadt lässt sich ein solcher Zusammenhang allerdings nicht nachweisen.

Foto: Dan Davison via flickr (Creative Commons Attribution 2.0 Generic)

„Wir glauben, dass sich Räuber in der Stadt vermehrt an andere Nahrungsquellen halten, etwa an Mülleimer und Futterhäuschen“, erklärt Amanda Rodewald von der Ohio State University. Durch dieses bequeme Zusatzangebot würden das Risiko für die Brut und die Räuberhäufigkeit voneinander entkoppelt, so die Forscherin.

Rodewald und Kolleginnen führten ihre Studie in 19 Waldgebieten durch, die unterschiedlich stark städtisch geprägt waren. Durch regelmäßige Kontrollen von insgesamt fast 3.000 Singvogelnestern ermittelte die Gruppe das jeweilige Risiko für Gelege bzw. Jungvögel. Anhand von Zeitraffer-Videoaufnahmen identifizierten die Forscherinnen 18 Nesträuber wie Waschbären, Bussarde, Eichhörnchen und Hauskatzen und bestimmten deren Häufigkeit in dem jeweiligen Gebiet. Die Resultate stellen sie im Fachblatt „Ecological Applications“ vor.

„In der letzten Zeit ist ein Rückgang sensibler Vogelarten in urbanisierten Gegenden beobachtet worden“, so Rodewald weiter. „Gleichzeitig ist die Zahl von Räubern wie Waschbären und Hauskatzen gestiegen, sodass es nahelag, hier eine Verbindung herzustellen. Unsere Resultate zeigen jedoch, dass es in städtischen Gebieten keine solche Verbindung gibt.“

Forschung: Amanda D. Rodewald, Laura J. Kearns und Daniel P. Shustack, School of Environment and Natural Resources, Ohio State University, Columbus

Veröffentlichung Ecological Applications, DOI 10.1890/10-0863.1 (im Erscheinen)

WWW:
Terrestrial Wildlife Ecology Laboratory, Ohio State University
Urban Wildlife

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1 Kommentar zu "Stadtleben entkoppelt Räuber und Beute"

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  1. Volker Heimel sagt:

    Die Prädatorendichte in der Stadt ist zwar geringer. Dies betrifft aber nur natürliche Prädatoren. Gebäude mit großen Fensterfronten und verspiegelten Scheiben stellen aber eine Form der „artificial predation“ dar.
    Dem künstlichen „Prädator Fensterscheibe“ fallen allein in Deutschland zwischen 16 Millionen und 320 Millionen Vögel zum Opfer (0.2-4 birds/inhabitant and Year). In den USA schätzt man zwischen 100 Millionen und 1 Milliarde kolli-dierender Vögel pro Jahr.