Posted in: Natur- und Umweltschutz, Verkehr 16. September 2010 13:55 Weiter lesen →

Warnung vor Fernstraße durch die Serengeti

Gnu-Herde in der Serengeti Durch den Serengeti Nationalpark in Tansania könnte bald eine zweispurige Fernstraße gut 50 Kilometer weit führen. Das Straßenprojekt könne das einzigartige Wildnisgebiet und Weltnaturerbe schädigen, warnen jetzt 27 Wissenschaftler und Naturschutzexperten in einem Artikel im Magazin „Nature“.

Gnus in der Serengeti
Foto: Felix Borner, ZGF

Die Autoren um Andrew Dobson von der Princeton University sehen eine ökologische Katastrophe kommen, wenn den Gnus ihre Route im Norden abgeschnitten und somit der Zugang zum Wasser in der Trockenzeit verwehrt werden sollte. Betroffen wären rund 1,3 Millionen der wandernden afrikanischen Antilopen. Die Forscher sagen einen Rückgang der Bestände auf wenige Hunderttausend vorher, was den Zusammenbruch des Ökosystems bedeuten könne. Sie fürchten, dass „das System kippen könnte, von einer Kohlenstoffsenke hin zu einem CO2 emittierenden System.“

Darüber hinaus weisen die Autoren auch auf mögliche ökonomische Folgen hin: Tansania und das Nachbarland Kenia hängen stark vom Tourismus im Serengeti Nationalpark und des Masai Mara Schutzgebietes ab. In Tansania kommen rund 23 Proeznt der Deviseneinnahmen aus dem Tourismus. Dieser werde deutlich zurückgehen, wenn die legendäre Migration in der Serengeti zusammenbreche, vermuten die Forscher.

Die Vorhersage stützt sich auf Daten und Erfahrungen aus anderen Schutzgebieten, die sich nach ähnlichen Bauprojekten dramatisch verändert haben. Daher plädieren die Wissenschaftler für eine alternative Trassenführung, die die Serengeti im Süden umfahren würde. Dies könne „den ökonomischen wie ökologischen Schaden minimieren und den Nutzen für die wirtschaftliche Entwicklung und die Infrastruktur maximieren.“ Dazu Markus Borner, Afrikadirektor der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt (ZGF) und Mitautor der Kritik: „Von der Südroute hätten rund 2,3 Millionen Menschen etwas, durchfährt man die Serengeti im Norden, wären es nur etwa 431.000.“

Karte mit geplanter und alternativer Streckenführung durch die Serengeti
Geplante Straße durch den Serengeti Nationalpark und alternative Südumfahrung. Grafik: ZGF

Quelle: ZGF / Nature, Vol 467, 16.9.2010, pp 272-274; doi:10.1038/467272a

WWW:
Veröffentlichung in „Nature“
Mehr Infos bei der ZGF

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3 Kommentare zu "Warnung vor Fernstraße durch die Serengeti"

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  1. schlemmer sagt:

    ich bin geschockt und entsetzt,als afrikanfan trifft mich diese nachricht sehr, soll alles vergebens gewesen sein was grzimek undandere Naturschützer gemacht haben? wo kann man sich hinwenden um gegen diesen wahnsinn zu protestieren.?

  2. S.N. sagt:

    Ich muss hier ebenfalls meine Bestürzung kundtun!
    Wie kann das angehen? Auf wessen Mist ist diese idiotische Idee gekeimt?!
    Wie ernsthaft wird darüber diskutiert, die Straße zu bauen?

    Gibt es irgendwo eine Onlinepetition gegen das Vorhaben?

  3. Jacobasch /Redaktion sagt:

    Weiterführende Informationen gibt es bei der ZGF, siehe Link am Ende des Artikels.

    Die ZGF verweist ihrerseits auf Links zu Hintergrundmaterial und Organisationen, die den Protest unterstützen, u.a. kann man sich unter http://www.savetheserengeti.org auch selbst beteiligen.