Posted in: Klima 6. September 2010 14:52 Weiter lesen →

Acker und Gras kühlen schneller

Waldrand an einer Weide Wälder haben bei sommerlichen Hitzewellen anfangs keinen kühlenden Effekt, sondern heizen die Atmosphäre sogar zusätzlich auf. Gras- und Ackerflächen dagegen tragen zu Beginn einer Hitzewelle, wenn die Bodenfeuchte noch hoch ist, wesentlich mehr zur Kühlung durch Verdunstung bei. Bisher ging man davon aus, dass Wälder eine wichtigere Rolle spielen, da Bäume durch tiefere Wurzeln an mehr Wasser gelangen.

Foto: Jacobasch /JKM

Ein internationales Forscherteam um Sonia Seneviratne von der ETH Zürich analysierte für eine neue Studie Daten von Messstationen des so genannten FLUXNET-Netzwerks. Es erfasst seit rund zehn Jahren in Zentral- und Westeuropa die Flüsse von Wärme und Wasser, sowie Strahlungsflüsse. „Bei Hitzewellen wird ein Teil der einfallenden Sonnenenergie in Wärmeenergie umgewandelt. Wichtig für uns war, herauszufinden, wieviel Energie in Lufterwärmung, respektive Verdunstung, umgesetzt wird“, sagt Seneviratne.

Die Forschenden untersuchten, wie sich die Energiebilanz der Wälder und Graslandschaften über die Jahre ohne die extremen Hitzejahre 2003 und 2006 entwickelte, basierend auf vorhandenen Messdaten im Zeitraum 1997-2008. Dazu analysierten sie die Daten, die an Hitzetagen in den Jahren 2003 und 2006 während der Monate Juni bis August täglich zwischen 9.00 Uhr und 13.00 Uhr aufgezeichnet wurden.

Die Energiebilanz zeigte, dass die Grasflächen an Hitzetagen bis zu doppelt soviel Wasser verdunsten als Wälder und die Luft dort also mehr abgekühlt wird. Der sogenannte fühlbare Wärmefluss ist deshalb über den Wäldern deutlich höher als über dem Gras- oder Ackerland.

Grasland verwendet mehr Strahlungsenergie, um Wasser aus dem Boden zu verdunsten, während der Wald die Atmosphäre vorerst zusätzlich aufheizt. Offenbar gehe der Wald trotz seiner tiefreichenden Wurzeln sehr viel konservativer mit dem Wasserhaushalt um, so die Forscher. Die schützenden Zellen um die Spaltöffnungen der Pflanzen hätten unterschiedliche Strategien entwickelt, wie sie auf Hitzewellen und drohende Trockenheit reagierten. Der Wald tue dies weniger verschwenderisch als die Graslandschaften.

Seien im Verlauf einer Hitzewelle die Wiesen- und Ackerflächen aber ausgetrocknet, habe das „haushälterische“ Verhalten des Waldes durchaus seine positiven Seiten. Kurzfristig verstärke er Hitzewellen, langfristig dagegen wirke er stabilisierend. Diese Effekte müssten in Wetterprognosen und Klimaszenarien berücksichtigt werden.

Forschung: Adriaan Teuling, Sonia Seneviratne, IACETH, u.a.; Online-Veröffentlichung in „Nature Geoscience“, 5.9.2010, DOI:10.1038/NGEO950

WWW:
Veröffentlichung in „Nature Geoscience“
Institute for Atmospheric and Climate Science (IACETH), ETH Zurich

Lesen Sie außerdem im Scienceticker:
Laue Luft hemmt Bergwälder
Träge Wälder

Posted in: Klima
Möchten Sie den Beitrag bewerten?
SchlechtLangweiligGut zu wissenInteressantSpannend! (4 Bewertungen, im Schnitt 4,75 von 5)
Loading...

Drucken Drucken


1 Kommentar zu "Acker und Gras kühlen schneller"

Trackback | Comments RSS Feed

  1. Pfohl, Walter sagt:

    Das deckt sich gut mit meinen Erfahrungen als Radfahrer zu allen Tages- oder Nachtzeiten: Wenn man vom Wald ins Grasland kommt, zumal in Schattenlagen, wird´s häufig spürbar kühler.