Posted in: Natur- und Umweltschutz, Tierwelt 13. Juli 2010 17:26 Weiter lesen →

Keine Entwarnung für Afrikas Säuger

Foto zeigt Afrikanischen oder Kaffernbüffel mit mächtigen, einen "Scheitel" bildenden HörnernSchutzgebiete sind nicht automatisch sicheres Terrain für bedrohte Tierarten, belegt eine Studie englischer Zoologen. In den afrikanischen Nationalparks sind die Bestände großer Säuger in den letzten Jahrzehnten um fast 60 Prozent zurückgegangen. Betroffen sind selbst so berühmte Gebiete wie die Masai Mara oder die Serengeti.

Foto: Profberger via Wikimedia.org (Creative Commons Attribution Share-Alike 3.0)

Mancherorts sind die Bestände aber auch gewachsen, ermittelten die Forscher um Ian Craigie von der Universität Cambridge und von der Zoological Society of London. Die Resultate belegten, dass die Schutzgebiete mehr Unterstützung benötigten, um ihre Funktion erfüllen zu können, so Craigie. Das gelte umso mehr, als die Lage abseits der Schutzgebiete noch schlimmer sei: „Viele Arten wie etwa die Nashörner sind außerhalb von Nationalparks praktisch ausgestorben.“

Craigie und Kollegen analysierten Daten über 69 Säugerarten in 78 afrikanischen Schutzgebieten, die im Zeitraum 1970 bis 2005 erhoben worden waren. Anhand der Zahlen für die jeweils vertretenen Spezies erstellten die Forscher für jedes Gebiet einen Bestandesindex. Über die Zeit zeigten die Indexwerte eine regional stark unterschiedliche Entwicklung, berichtet die Gruppe im Fachblatt „Biological Conservation“.

Während die Werte im südlichen Afrika stiegen, sanken sie im östlichen Afrika um gut 50 Prozent und im westlichen Afrika sogar um 85 Prozent. Die Forscher führen diese Entwicklung einerseits auf eine mangelnde Ausstattung der Schutzgebiete mit Geld und Personal zurück, andererseits auf die rasche Zerstörung der Habitate und den florierenden Handel mit „Bushmeat“, dem Fleisch von Wildtieren.

„Die Ergebnisse sind sehr viel schlechter als wir befürchtet hatten“, so Craigies Kollege Jonathan Baillie. „Die positiven Trends im südlichen Afrika machen allerdings Hoffnung. Sie zeigen, dass Schutzgebiete mit Blick auf große Säuger sehr effektiv funktionieren können, wenn sie mit den nötigen Mitteln ausgestattet werden.“ Da Löwe, Elefant und andere Großsäuger jährlich Tausende von Touristen anlockten, könne sich solches Engagement auch finanziell lohnen.

Forschung: Ian Craigie und Jonathan E. M. Baillie, Department of Zoology, University of Cambridge, und Conservation Programmes und Institute of Zoology, Zoological Society of London; und andere

Veröffentlichung Biological Conservation, DOI 10.1016/j.biocon.2010.06.007

WWW:
Conservation Science Group, University of Cambridge
Zoological Society of London
World Database on Protected Areas

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