Posted in: Fischerei, Meeresforschung, Tierwelt 30. Juni 2010 01:01 Weiter lesen →

Seehunde gebären früher

Foto zeigt junge und ältere Seehunde auf einer vom Meer umspielten Sandbank Die Seehunde im Wattenmeer bringen ihre Jungen heute fast vier Wochen früher zur Welt als in den 70er-Jahren. Das haben niederländische Zoologen anhand der Daten von Luftbeobachtungen ermittelt. Einen möglichen Grund sehen sie ausgerechnet in der starken Befischung der Nordsee.

Foto: Klaas Kreuijer

Die Fischerei konzentriere sich auf größere Raubfische, erläutern Peter Reijnders und seine Kollegen vom Forschungsinstitut IMARES auf Texel. Dies führe wiederum zu größeren Beständen kleinerer Fische – der bevorzugten Nahrung des Seehundes und anderer Tiere, etwa des Sterntauchers.

„Normalerweise geht Überfischung mit negativen Auswirkungen auf marine Ökosysteme und ganz besonders auf Meeressäuger einher“, erklären die Forscher. In diesem besonderen Fall scheine zumindest der Seehund zu profitieren. Mit dem raschen Wachstum der Population könnte sich der beobachtete Trend allerdings wieder umkehren, schreibt die Gruppe im Fachblatt „Biology Letters“.

Reijnders und Kollegen analysierten Zählungen von Seehunden (Phoca vitulina) auf Sandbänken im niederländischen Wattenmeer, die in den Jahren 1974 bis 2009 per Flugzeug durchgeführt worden waren. Aus der Zahl der beobachteten Jungtiere schlossen die Forscher auf den Höhepunkt der jährlichen Geburtssaison. Es zeigte sich, dass dieser Termin jedes Jahr durchschnittlich 0,71 Tage früher eingetreten ist. Ähnliche Resultate lieferte die Analyse von Daten aus dem schleswig-holsteinischen und dem niedersächsischen Wattenmeer.

Veränderungen der Altersstruktur, etwa infolge von Ausbrüchen der Seehundstaupe, könnten die Beobachtungen nicht erklären, so die Forscher. Ihrer Ansicht nach führt vielmehr ein gestiegenes Nahrungsangebot dazu, dass die Seehundweibchen nach Geburt und Säugen eines Jungen rascher wieder zu Kräften kommen, sodass die Keimruhe des nächsten Embryos umso kürzer ausfallen kann.

Forschung: Peter J. H. Reijnders, Sophie M. J. M. Brasseur und Erik H. W. G. Meesters, Institute for Marine Resources and Ecosystem Studies, Wageningen UR, Den Burg

Veröffentlichung Biology Letters, DOI 10.1098/rsbl.2010.0468

WWW:
IMARES
Der Seehund
Marine Nahrungsnetze

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