Weniger Regenwald, mehr Malaria

Foto zeigt Holzhütte auf gerodetem Gelände, portugiesische Beschriftung Posto de Diagnostico de Malaria F. Fernandes, einige Menschen am geöffneten Schlag Wo der Regenwald abgeholzt wird, verschwinden unzählige Tier- und Pflanzenarten. Die Malaria wird dagegen häufiger, haben amerikanische Forscher anhand von Daten aus Brasilien zeigen können. Geht die Regenwaldfläche um vier Prozent zurück, steigt die Zahl der Malariaerkrankungen demnach um beinahe 50 Prozent.

Foto: Courtesy of Eduardo Marques Macário/University of Wisconsin-Madison

“Offenbar ist die Abholzung des Waldes einer jener ökologischen Faktoren, die eine Malariaepidemie auslösen können”, erklärt Sarah Olson von der University of Wisconsin in Madison. Umgekehrt könne eine entsprechende Gestaltung der Landschaft vielleicht helfen, die Krankheit einzudämmen.

Olson und ihr Doktorvater Jonathan Patz hatten im Rahmen einer früheren Studie in Peru ermittelt, dass die Rodung des Regenwaldes ein häufigeres Auftreten der Stechmücke Anopheles darlingi nach sich zieht, dem Hauptüberträger der Malaria im Amazonasbecken. Andere Stechmückenarten werden dagegen seltener – vermutlich, weil sich ihre Larven in offenen, lichtdurchfluteten Wasserflächen weniger gut entwickeln.

Die Wachablösung unter den Stechmücken scheint sich wiederum in den Erkrankungszahlen niederzuschlagen, berichten die Forscher nun im Fachblatt “Emerging Infectious Diseases”. Für ihre jüngste Studie verknüpften sie Angaben zur Häufigkeit der Malaria in 54 Gesundheitsbezirken im Nordwesten Brasiliens mit hochauflösenden Satellitenbildern, die Rückschlüsse über die genaue Lage von Siedlungen erlaubten. Demnach gehen schon relativ geringe Unterschiede in der Waldfläche mit deutlich höheren bzw. niedrigeren Erkrankungsraten einher.

In den betrachteten Bezirken beginne die Rodung des Regenwaldes – wie auch andernorts im Amazonasbecken – an Flüssen und anderen Hauptverkehrsadern und schreite dann allmählich voran, erläutert Patz. “Selbst unter Berücksichtigung der jeweiligen Einwohnerzahlen, des Zugangs zu Leistungen des Gesundheitssystems und anderer Faktoren fallen die Malaria-Brennpunkte mit den Gebieten mit der stärksten Zerstörung des Regenwaldes zusammen.”

Forschung: Sarah Olson und Jonathan Patz, Center for Sustainability and the Global Environment und Department of Population Health Sciences, University of Wisconsin, Madison

Veröffentlichung Emerging Infectious Diseases, 16. Juni 2010

WWW:
Center for Sustainability and the Global Environment, University of Wisconsin
Malaria-Portal der WHO
Deforestation in Amazonia

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Speisefisch verspeist Malaria-Erreger


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