Posted in: Natur- und Umweltschutz, Tierwelt 27. April 2010 14:36 Weiter lesen →

20 Dollar für tausend getrocknete Frösche

In den westafrikansichen Ländern Burkina Faso, Benin und Nigeria greift der Froschhandel gefährlich in das Ökosystem ein. Das belegt eine Studie, die Forscher des Museums für Naturkunde Berlin vorgelegt haben. Meike Mohneke und Mark-Oliver Rödel sprachen mit lokalen Sammlern, Händlern und Verbrauchern der betroffenen Länder. Allein 32 befragte nigerianische Froschsammler handeln demnach pro Jahr mit 2,7 Millionen Fröschen.

Frauen handeln mit getrockneten Kröten auf einem Markt in Burkina Faso. Foto: Meike Mohneke, Museum für Naturkunde Berlin

In Nordbenin sollen nach Angabe der Forscher viele Fischer in letzter Zeit auf den Handel mit Fröschen umgestiegen sein. Die Händler stellen Froschfallen auf oder blenden die Tiere nachts mit Taschenlampen, um sie dann zu erschlagen. In Burkina Faso dagegen werden die Tiere häufig mit der Hand oder mit Netzen gefangen. Umgerechnet 20 Dollar bekommt ein Sammler für einen Sack mit tausend getrockneten Fröschen. Für Nigeria errechneten die Autoren der Studie, dass eine einzelne Gruppe von Sammlern innerhalb von zwei Monaten rund 450 Säcke mit Fröschen „erntet“.

Besonders nachgefragt ist der Tigerfrosch Hoplobatrachus occipitalis, dessen Kaulquappen räuberisch leben und u.a. Moskitolarven vertilgen. Wenn aber zu viele ausgewachsene Tigerfrösche konsumiert werden, gibt es weniger Kaulquappen und mehr Moskitos.

Froschmarkt in Nigeria. Die getrockneten Frösche werden in Kisten weitertransportiert, um in den Städten Süd Nigerias verkauft zu werden. Foto: Abiodun Onadeko, Nigeria

„Details untersuchen wir in Nordbenin“, so Mark-Oliver Rödel vom Museum für Naturkunde. „In künstlich angelegten Tümpeln setzen wir verschiedene Kaulquappenarten zusammen, warten ein paar Wochen und schauen welche Algen sich einstellen, welche und wie viele Moskitos da sind, wie die Wasserwerte aussehen und wie sich die verschiedenen Froscharten entwickeln. Dann vergleichen wir die Daten mit denen aus den natürlichen Habitaten. Gern hätten wir Mediziner im Team, um direkt untersuchen zu können, ob mit dem Verzehr der Frösche z.B. die Infektionsrate mit Malaria steigt.“

Die Froschjagd verlaufe bislang unkontrolliert, so die Forscher. Da die Profite aus dem Froschhandel groß ausfielen, sei mit einem Umdenke auch nicht zu rechnen. Mohneke und Rödel regen deshalb an, „Froschfarmen“ in Westafrika zu etablieren. Diese könnten natürliche Froschpopulationen entlasten und der einheimischen Bevölkerung eine Einnahmequelle verschaffen.

Forschung: Mohneke, M., A.B. Onadeko, M. Hirschfeld, M.-O. Rödel; Veröffentlichung in „Traffic Bulletin“ 22: 117-128.

WWW:
Museum für Naturkunde Berlin
Traffic Bulletin

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4 Kommentare zu "20 Dollar für tausend getrocknete Frösche"

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  1. Berggeist-fg sagt:

    Hmmm…, und warum sammeln die die Frösche ? Zu welchen Zweck ? Hätte ja im Artikel erklärt werden können. Kann sich ja nicht jeder in schwarzafrikanischen Gewohnheiten und Sitten auskennen.

  2. Sci sagt:

    Stimmt, was machen die mit den Fröschen?? Als Pulver zum reinziehen wohl kaum!?

  3. Mark S sagt:

    Die Frösche werden gegessen! In manchen Regionen Afrikas gelten sie als Delikatesse – genauso wie bei manchen europäischen „Feinschmeckern“.

  4. Arno sagt:

    Hallo,

    ich bin sicher ein Tierfreund, aber warum wird auf die Esskultur von anderen Ländern hingewiesen, weil sie Tiere esssen, die wir nicht essen?

    Bei uns werden Schweine und Rinder nur zu dem Zweck am Leben gelassen, dass sie fett werden und dann werden sie umgebracht.