Posted in: Fischerei, Meeresforschung, Tierwelt 10. April 2010 10:23 Weiter lesen →

Kosmopoliten im Korallenriff

Foto zeigt bandartige durchsichtige Fischlarve im tiefblauen Meer Rifffische haben einiges mit dem Löwenzahn und anderen Pflanzen gemein: Als Erwachsene an einem Ort verwurzelt, können sie ihre Nachkommen über große Entfernungen verbreiten. Die Effektivität dieser Methode belegt eine Studie amerikanischer Meeresbiologen. In genetischer Hinsicht unterscheiden sich Muränen vor Ostafrika demnach kaum von Artgenossen vor der Pazifikküste Mittelamerikas.

Die Weidenblattlarve oder Leptocephalus ist typisch für Aalartige, hier die Larve eines Meeraals. Foto: Uwe Kils via Wikimedia.org (Creative Commons Attribution Share-Alike 3.0)

„Einige unserer Untersuchungsstandorte liegen rund 22.000 Kilometer auseinander, also fast zwei Drittel des Erdumfangs“, erklärt Joshua Reece von der Washington University in Saint Louis. Nur ein sehr effektiver Genfluss könne verhindern, dass solche Entfernungen dem Erbgut der einzelnen Populationen ihren Stempel aufprägten. Das gelte umso mehr, als erwachsene Muränen einem kleinen Riffabschnitt die Treue hielten. Ihre filigranen, durchsichtigen Larven trieben allerdings monate- oder sogar jahrelang im Meer, länger als die anderer Fische.

Reece und Kollegen reisten für ihre Studie an 19 verschiedene Korallenriffe im Indischen und im Pazifischen Ozean. Dort gelang es ihnen, kleine Gewebeproben von 289 Gelbgefleckten und Marmormuränen (Gymnothorax flavimarginatus und G. undulatus) zu nehmen, ohne sich nennenswerte Bisswunden zuzuziehen. Die Forscher isolierten das in den Proben enthaltene Erbgut und sequenzierten ausgewählte Abschnitte darin.

Der Vergleich der Sequenzen offenbarte zwar reichlich Variation, berichtet die Gruppe im „Journal of Heredity“, jedoch kein geographisches Muster. Weder das flache, in der jüngeren Erdgeschichte mehrmals trockengefallene Sundaschelf noch eine Tausende Kilometer breite Tiefsee-Einöde im östlichen Pazifik scheinen den Austausch von Genen zwischen den weit verstreuten Muränenpopulationen merklich zu behindern.

Dieses Resultat bestätige zwar die Faustregel, dass besonders ausdauernde Verbreitungsstadien mehr genetische Homogenität mit sich bringen, so Reece. Gleichzeitig werfe es jedoch die Frage auf, wie bei einem derart guten Genfluss überhaupt erst die heute rund 150 Muränenarten im Indopazifik entstehen konnten.

Forschung: Joshua S. Reece, Brian W. Bowen und Allan Larson, Department of Biology, Washington University in St. Louis, Saint Louis, Missouri, und Hawaii Institute of Marine Biology, Kaneohe, Hawaii; und andere

Online-Veröffentlichung Journal of Heredity, DOI 10.1093/jhered/esq036

WWW:
Larson Lab, Washington University in St. Louis
Muränen
Leptocephalus
Fischlarven

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