Posted in: Meeresforschung, Tierwelt 6. April 2010 15:53 Weiter lesen →

Überfluss bringt Unruhe in die Tiefsee

Fotomontage zeigt Vielzahl kleiner Organismen neben einer Centmünze Wo es etwas zu holen gibt, werden die Kleinen von den Großen verdrängt. Das gilt zumindest am Grund der Tiefsee, haben amerikanische Meeresbiologen beobachtet. In jenen Bereichen eines untermeerischen Canyons, in denen besonders viel organisches Material herabregnet, machen sich Seesterne und andere größere Tiere breit – auf Kosten kleiner Sedimentbewohner.

Bild: Craig McClain

„Mehr Nahrung ist nicht unbedingt besser“, folgert Craig McClain vom National Evolutionary Synthesis Center in Durham. Besonders deutlich zeige sich der Effekt am Fuße der steilen Wände des Canyons: „Die Zahl der Arten nahe der Feldwand ist nur etwa halb so hoch wie in der Mitte des Canyons“, so der Forscher.

Tiere in der Tiefsee ernähren sich letztlich von organischem Material, das aus lichtdurchfluteten Wasserschichten herabsinkt. Dieser Nachschub ist normalerweise recht spärlich. Die Wände einer Tiefseeschlucht fungieren jedoch wie ein Trichter, sodass es zumindest am Rand des Canyonbodens reichlich Nahrung gibt.

Das hat Folgen für die Fauna, berichten McClain und sein Kollege James Barry vom Monterey Bay Aquarium Research Institute im Fachblatt „Ecology“. Die beiden Forscher nutzten ein ferngesteuertes Raupenfahrzeug, um verschiedene Bereiche des bis nah an die kalifornische Küste heranreichenden Monterey-Canyons zu erkunden. Mithilfe des Vehikels machten sie Videoaufnahmen der Fauna auf dem Meeresgrund und nahmen mehrere Sedimentproben.

Es zeigte sich, dass im Sediment in der Mitte des Canyons fast 200 Arten höchstens daumennagelgroßer Würmer, Krebse, Muscheln und Schnecken leben. Mit dem Abstand von den Felswänden sinken Vielfalt und Individuendichte dieser Sedimentbewohner jedoch um fast die Hälfte. Umgekehrt werden Seesterne, Seeigel und Seegurken, Krabben und auch Fische nun häufiger.

Normalerweise eher verstreut, würden die größeren Tiere offenbar durch das reichliche Nahrungsangebot an den Fuß der Felswand gelockt, so McClain weiter. Letztlich bleibe daher weniger Nahrung für die kleinen Sedimentbewohner übrig. Damit nicht genug, durchwühlten die größeren Tiere das Sediment und brächten so den Lebensraum der kleineren Tiere durcheinander.

Forschung: Craig R. McClain, National Evolutionary Synthesis Center, Durham, North Carolina, und James P. Barry, Monterey Bay Aquarium Research Institute, Moss Landing, Kalifornien

Veröffentlichung Ecology, Vol. 91(4), April 2010

WWW:
McClain Laboratory, National Evolutionary Synthesis Center
Benthic Biology and Ecology, MBARI
Benthic Invertebrates
Monsterparade

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Tiefseefische mögen Gemüse
Große Mäßigung in der Tiefsee


Möchten Sie den Beitrag bewerten?
SchlechtLangweiligGut zu wissenInteressantSpannend! (3 Bewertungen, im Schnitt 4,67 von 5)
Loading...

Drucken Drucken


Die Kommentare sind geschlossen.