Tiefseefische mögen Gemüse
Donnerstag, 4. März 2010, 20:40 • Rubrik Meeresforschung, Tierwelt.
Wer in lichtlosen Tiefen lebt, muss fressen, was ihm vor das Maul kommt. Diesen Schluss legt ein Fütterungsexperiment nahe, das niederländische und schottische Forscher am Meeresgrund in 3.000 Metern Tiefe durchgeführt haben. Zu ihrer Verblüffung wurde der angebotene Spinat hauptsächlich von Grenadieren verspeist – bislang als Raubfische und Aasfresser betrachtet.
Grenadiere haben nichts gegen pflanzliche Kost einzuwenden. Foto: NIOZ/Oceanlab, Univ. Aberdeen
“Besonders überraschend war für uns, wie bereitwillig und begierig sie sich über den Spinat hermachten”, erklärt Gerard Duineveld von niederländischen Meeresforschungsinstitut NIOZ auf Texel. Grenadiere könnten nun nicht mehr als Spitzenräuber im engeren Sinne eingestuft werden, so der Meeresbiologe. “Eigentlich ergibt das auch Sinn, denn die Tiefsee ist eine nährstoffarme Umgebung, in der man es sich kaum leisten kann, wählerisch bei der Nahrung zu sein.”
Grenadiere oder Rattenschwänze (Macrouridae) stellen die bedeutendste Gruppe der Tiefseefische und leben jenseits der 200-Meter-Marke in ewiger Dunkelheit. Mehrere Untersuchungen hatten ergeben, dass sie nicht nur Jagd auf kleinere Fische und Kopffüßer machen, sondern auch an den Kadavern von Walen und Haien fressen, die zum Meeresgrund sinken. In den Mägen einiger Exemplare waren allerdings auch Algen, Seegras und sogar Orangen- und Zwiebelstückchen gefunden worden.
Video: NIOZ/Oceanlab, Univ. Aberdeen
Die Gruppe um Duineveld und seine Kollegin Rachel Jeffreys machte nun die Probe aufs Exempel. Rund 200 Kilometer vor der Westküste Galiziens ließen sie ein mit Spinatballen bestücktes und mit Metallgewichten beschwertes Gestell zum Meeresboden hinab. Schon nach kurzer Zeit stellten sich Grenadiere und Schlangenfische an dem Gestell ein und begannen, den Spinat zu zerpflücken und zu fressen. Binnen 30 Stunden waren die Gemüseköder restlos beseitigt, berichten die Forscher im Fachblatt “Deep Sea Research”.
Diese Beobachtungen zeigten, dass pflanzliches Material eine verlockende Aromafahne abgebe und von Tiefseefischen bereitwillig gefressen werde, so die Forscher. Gerade in Gebieten, in denen es reichlich Seegras oder Großalgen gebe, etwa vor den Bahamas oder in der Sargassosee, aber auch in untermeerischen Canyons vor Flussmündungen, könnte solche Kost eine wichtige Rolle auf dem Speisezettel der vermeintlichen Fleischfresser spielen, so Duineveld.
Forschung: Rachel M. Jeffreys, Marc S. S. Lavaleye, Magda J. N. Berman und Gerard C. A. Duineveld, Koninklijk Nederlands Instituut voor Zeeonderzoek (NIOZ), Den Burg; Thom Linley, Oceanlab, University of Aberdeen, Newburgh
Veröffentlichung Deep Sea Research Part I: Oceanographic Research Papers, DOI 10.1016/j.dsr.2010.01.007
WWW:
NIOZ
Oceanlab, University of Aberdeen
Macrouridae
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