Posted in: Natur- und Umweltschutz, Tierwelt 17. Februar 2010 12:35 Weiter lesen →

Katzenfutter gegen Kröten

Agakröte in Australien Katzenfutter könnte im Kampf gegen eine eingeschleppte Kröte helfen. Dieses Fazit ziehen australische Forscher nach ersten Feldversuchen. Durch das ölige Futter an den Rand eines Gewässers gelockt, können räuberische Ameisen den Nachwuchs der giftigen Agakröte wirksam dezimieren.

Foto: Michael Linnenbach via Wikimedia.org (Creative Commons Attribution Share-Alike 3.0)

In Australien angestammte Amphibien seien dagegen an die „Fleischameisen“ angepasst und gingen ihnen aus dem Weg, schreiben die Biologen um Richard Shine von der Universität Sydney im „Journal of Applied Ecology“. Durch die Ermunterung eines heimischen Räubers vermeide man also katastrophale Folgen, wie sie die Einfuhr eines nicht angestammten Räubers zeitigen könne – etwa der Agakröte selbst.

Die Agakröte (Bufo marinus) stammt aus Südamerika und war in den 30er-Jahren nach Australien gebracht worden, um Schädlinge in Zuckerrohrplantagen zu bekämpfen. Seitdem breitet sie sich über den Fünften Kontinent aus – mit verheerenden Konsequenzen: die Kröte ist nicht nur konkurrenzstark und gefräßig, sondern auch giftig. Daher stellt sie sogar für größere Fressfeinde wie Schlangen und Krokodile eine Gefahr dar.

Hilfe naht möglicherweise in Form eines kleinen Räubers. Im Rahmen einer früheren Studie hatten Shine und seine Kollegen Georgia Ward-Fear und Gregory Brown bereits ermittelt, dass die kaum fingernagelgroßen Jungkröten ein leichtes Ziel für „Fleischameisen“ der Art Iridomyrmex reburrus darstellen. Der Grund ist, dass sie zur gleichen Tageszeit wie die Ameisen aktiv sind, sich nicht in der Vegetation verstecken und die Ameisen erst als Bedrohung erkennen, wenn sie von diesen angegriffen werden.

Die Forscher versuchten nun, die Ameisen durch Auslegen von Katzenfutter gezielt an Wasserlöcher und Tümpel zu locken, wo sich die anfangs noch wenig trockenresistenten Jungkröten aufhalten müssen. Tatsächlich zogen sich bald Ameisenstraßen durch die beköderten Areale und die Ameisendichte stieg auf das Vierfache des Ausgangswertes. Als Folge wurden in einer zweiminütigen Beobachtungsperiode 84 Prozent des Krötennachwuchses von Ameisen angegriffen. Die Hälfte der attackierten Kröten starb sofort und 88 Prozent der entkommenen Kröten erlagen binnen 24 Stunden ihren Verletzungen.

Weitere Untersuchungen müssten nun den Nachweis führen, dass es keine oder nur unbedeutende Kollateralschäden an der einheimischen Amphibienfauna gebe, betonen Shine und Kollegen. Um die Agakröte zumindest unter Kontrolle zu bringen, sei allerdings eine Kombination mehrerer verschiedener Ansätze nötig. Umso wichtiger sei es, die Schwachstellen der Invasoren zu finden.

Forschung: Georgia Ward-Fear, Gregory P. Brown und Richard Shine, School of Biological Sciences, University of Sydney

Veröffentlichung Journal of Applied Ecology, DOI 10.1111/j.1365-2664.2010.01773.x

WWW:
Shine Lab, University of Sydney
Cane Toads in Oz
Iridomyrmex reburrus
Invasive Animals in Australia

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2 Kommentare zu "Katzenfutter gegen Kröten"

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  1. T. Westphal sagt:

    Sie schreiben:
    „Als Folge wurden in einer zweiminütigen Beobachtungsperiode 84 Prozent des Krötennachwuchses von Ameisen angegriffen.“
    Eine zweiminütige Beobachtungsperiode scheint mir nicht besonders ambitioniert, dafür muss man allerdings die Ameisen in ihrer Effizienz bewundern: 84% angegriffen in der kurzen Zeit: Hut ab!
    Meinten Sie vielleicht nicht eher „zweimonatige Beobachtungsperiode“?

  2. Meinke sagt:

    Pardon für die späte Antwort, T. Westphal. Zwei Minuten erscheinen in der Tat sehr kurz, waren aber tatsächlich gemeint.