Posted in: Tierwelt 11. Februar 2010 14:01 Weiter lesen →

Fledermäuse auf Kuschelkurs

Foto zeigt fliegende mittelgroße Fledermaus mit grauem Pelz, weit ausgebreiteten Schwingen, vor dunklem Hintergrund, einige Blätter Ähnlich menschlichen Eltern, sehen sich Fledermausmütter mit widersprüchlichen Anforderungen konfrontiert. Die Flattertiere lösen dieses Dilemma mit bemerkenswerter Flexibilität, haben Hamburger Forscherinnen ermittelt. Wenn sie an kalten Tagen nicht auf Sparflamme schalten können, weil sie ihren Nachwuchs versorgen müssen, kuscheln sie sich in größeren Gruppen zusammen.

Foto: Dietmar Nill, PLoS Computational Biology 5(7), Juli 2009

Sobald der Nachwuchs selbstständig ist, verfolgen die Fledermausweibchen dagegen einen strikten Sparkurs, berichten Iris Pretzlaff und Kathrin Dausmann von der Universität Hamburg im Fachblatt „Naturwissenschaften“. Sinken die Temperaturen unter einen gewissen Wert, lassen sich die Tiere in eine Art Kältestarre fallen, in der ihr Stoffwechsel mit einem Bruchteil der üblichen Rate arbeitet.

Während Schwangerschaft und Stillzeit wirke sich dieser Torpor-Zustand negativ auf das Wachstum des Fötus und die Milchproduktion aus, erläutern die Biologinnen. Dies verringere die Überlebenschancen der Jungen, „da ihnen möglicherweise nicht mehr genügend Zeit bleibt, um sich vor dem Winterschlaf genügend Fett anzufressen“.

In zwei Waldgebieten nahe Würzburg untersuchten Pretzlaff und Dausmann, wie Bechsteinfledermäuse (Myotis bechsteinii) mit diesem Dilemma umgehen. Die Forscherinnen bestimmten dazu den Sauerstoffverbrauch der „Wochengruppen“, zu denen sich die Fledermausweibchen in eigens aufgestellten Nistkästen zusammenfanden, sowie die Größe der jeweiligen Gruppe.

Nach der Stillzeit fielen die Weibchen tagsüber praktisch immer in den Torpor, wenn die Tagestiefsttemperatur unter elf Grad Celsius lag. Vor der Geburt der Jungen und während der Stillzeit, von Mitte April bis Ende August, vermieden sie das Umschalten auf Sparflamme dagegen: an 76 bzw. 37 Prozent der kühlen Tage „verbrannten“ sie stattdessen mehr Kalorien, um der Kälte zu trotzen. Den Mehraufwand hielten sie wiederum in Grenzen, indem sie in dieser sensiblen Phase häufiger Gruppen mit zehn oder mehr Tieren bildeten.

Forschung: Iris Pretzlaff und Kathrin H. Dausmann, Arbeitsbereich Ökologie Naturschutz, Biozentrum Grindel, Universität Hamburg; Gerald Kerth, Zoologisches Institut, Universität Zürich, und Max-Planck-Institut für Ornithologie, Seewiesen

Veröffentlichung Naturwissenschaften, DOI 10.1007/s00114-010-0647-1

WWW:
Ökophysiologie, Uni Hamburg
Bechsteinfledermaus
Hibernation and Torpor

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