Posted in: Atmosphäre, Klima, Pflanzenwelt, Stadt 21. Januar 2010 00:01 Weiter lesen →

Rasen ist nicht „grün“

Foto von saftig grünem, kurz geschnittenen Rasen Grünflächen sind nicht automatisch auch im übertragenen Sinne grün. Ganz und gar nicht „grün“ sind private und öffentliche Rasenflächen, haben zwei amerikanische Forscherinnen ermittelt. Zumindest im US-Bundesstaat Kalifornien wird beim Bearbeiten des Rasens ein Vielfaches der Kohlendioxidmenge freigesetzt, die das Gras aus der Luft aufnehmen kann.

Foto: Lukas007 via Wikimedia.org (Public Domain)

Hinzu kommen düngerbedingte Emissionen von Distickstoffmonoxid, besser bekannt als Lachgas und ebenfalls ein potentes Treibhausgas, ermittelten Amy Townsend-Small und Claudia Czimczik von der University of California, Irvine. Ihre Bilanzrechnung stellen sie im Fachblatt „Geophysical Research Letters“ vor.

Rasen bedeckt schätzungsweise 1,9 Prozent der Landfläche der Vereinigten Staaten. Gerade in heißen, trockenen Gebieten muss er bewässert und gedüngt werden, um stets saftig grün zu sein. Akkurates Stutzen, die Bekämpfung unerwünschter Kräuter und das Entfernen von Laub machen zusätzliche Arbeit. Wie sich dieser Aufwand auf die Treibhausgasbilanz auswirkt, untersuchten die beiden Forscherinnen am Beispiel von vier Parks im südlichen Kalifornien.

Bereits die Lachgasemissionen vergleichsweise wenig bearbeiteter Wiesen machen demnach 10 bis 30 Prozent der Kohlendioxidaufnahme des Grases wett, ergaben die Messungen. Der Kohlendioxidausstoß bei der Düngerproduktion, von Rasenmähern, Laubbläsern und von anderen Maschinen beläuft sich sogar auf das Vierfache der potenziellen Photosyntheseleistung, berechneten die Forscherinnen.

„Solche Rasenflächen können schlichtweg keine Kohlendioxidsenken sein, weil für ihre Bearbeitung bei weitem zu viel Kraftstoff verbraucht wird“, folgert Townsend-Small. Aus diesem Grund dürften Rasenflächen bei Verhandlungen über eine Verringerung von Treibhausgasemissionen auch nicht berücksichtigt werden – zumindest nicht auf der Guthabenseite.

Forschung: Amy Townsend-Small und Claudia I. Czimczik, Department of Earth System Science, University of California, Irvine

Veröffentlichung Geophysical Research Letters, DOI 10.1029/2009GL041675 (im Erscheinen)

WWW:
Department of Earth System Science, UC Irvine

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