Laue Luft hemmt Bergwälder
Freitag, 8. Januar 2010, 13:26 • Rubrik Atmosphäre, Klima, Pflanzenwelt.
Für Bergwälder bedeuten mildere Temperaturen nicht unbedingt einen Vorteil. Diesen verblüffenden Schluss legt eine Langzeitstudie amerikanischer und englischer Forscher nahe. In Jahren mit wenig und früh schmelzendem Schnee wuchs der von ihnen studierte Wald sogar besonders langsam. Der Grund: Den Bäumen fehlte es an Wasser.
Foto: Steve Miller, CIRES/CU-Boulder
Als Folge nahm der Bergwald trotz der längeren Wachstumsperiode insgesamt weniger Kohlendioxid aus der Luft auf, erklärt Russell Monson von der University of Colorado in Boulder. “Was die Versorgung solcher Wälder mit Wasser betrifft, ist Schnee sehr viel effektiver als Regen. Wenn also ein wärmeres Klima mehr Regen bringt, kann das den Rückgang der CO2-Aufnahmefähigkeit infolge geringerer Schneemassen nicht ausgleichen.”
Die Gruppe um Monson und seine Kollegin Jia Hu analysierte Daten aus einem Experiment, bei dem Wachstum und Gasaustausch eines Kiefern- und Tannenwaldes auf 3.000 Metern Höhe erfasst werden. Unter anderem maßen die Forscher den Gehalt des schweren Wasserstoffisotops Deuterium im Regenwasser, in der Schneedecke und in den Leitgefäßen der Bäumen. Auf diese Weise konnten sie bestimmen, aus welchen Quellen der Wald “trank”.
Noch im August stammten etwa zwei Drittel des Baumwassers aus dem Schnee des vorangegangenen Winters, berichten Monson, Hu und Kollegen im Fachblatt “Global Change Biology”. Entsprechend fiel der Zuwachs an Biomasse umso geringer aus, je dünner die Schneedecke im Frühling war, obwohl dies gleichzeitig eine längere Wachstumsperiode bedeutete.
Diese Resultate ständen im Widerspruch zu Beobachtungen an anderen Ökosystemen, bei denen die Kohlendioxidaufnahme sehr wohl mit der Länge der Wachstumsperiode steige, so Hu. Und da Trockenstress Bäume auch anfälliger für Schädlinge mache, könnte der Schneemangel sich für Bergwälder gleich mehrfach negativ auswirken.
Forschung: Jia Hu, Sean P. Burns und Russell K. Monson, Department of Ecology and Evolutionary Biology, University of Colorado, Boulder; David J. P. Moore, Department of Geography, King’s College London
Veröffentlichung Global Change Biology, Vol. 16(2), pp 771-83, DOI 10.1111/j.1365-2486.2009.01967.x
WWW:
Russell Monson, University of Colorado
- Niwot Ridge AmeriFlux
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