Blauwale tönen tiefer
10. Dezember 2009 15:41 Drucken
Die Gesänge der Blauwale sind in den letzten Jahrzehnten immer tiefer geworden, haben amerikanische Forscher ermittelt. Das Phänomen könnte ein gutes Zeichen sein: Aufgrund der wachsenden Bestände seit dem Verbot des Walfangs müssen sich die Männchen vielleicht weniger anstrengen, um sich bei potenziellen Partnerinnen Gehör zu verschaffen.
Foto: NOAA
“Die Art der Gesänge und die Klänge sind gleich geblieben”, erklärt John Hildebrand von der Scripps Institution of Oceanography im kalifornischen La Jolla. “Die Frequenz haben die Tiere allerdings im Laufe der Zeit immer weiter gesenkt.” Diese Entwicklung ist in allen Weltmeeren festzustellen, berichten der Meeresbiologe und seine Kollegen im Fachblatt “Endangered Species Research”.
Hildebrand und Kollegen analysierten Tausende Blauwalgesänge, die seit Beginn der 60er-Jahre von militärischen und wissenschaftlichen Anlagen aufgenommen worden sind. Die Funktion dieser Gesänge ist noch unklar. Anders als einzelne Ruflaute, werden sie offenbar nur von Männchen produziert, die zudem relativ schnell schwimmen. Daher wird vermutet, dass sie dem Werben um Weibchen dienen – oder als Warnung an andere Männchen.
Bestimmt an den tonalen Abschnitten, ist die ohnehin tiefe Grundfrequenz der Gesänge seit dem Jahr 1963 stetig gesunken, fanden die Forscher. Im östlichen Nordpazifik mit seinem besonders umfangreichen Datenmaterial beträgt die Veränderung über den gesamten Zeitraum 31 Prozent – entsprechend ungefähr einer Quarte. Innerhalb eines beliebigen Jahres schwankt die Frequenz dagegen um weniger als 3 Prozent.
Für Blauwale sei das Singen durchaus anstrengend, so Hildebrand weiter. “Um die Gesänge zu produzieren, müssen sie den Großteil der Luft aus ihren Lungen ausstoßen.” Vermutlich könnten die Tiere heute weniger laut und damit tiefer singen als noch in den 60er-Jahren, da ihre Zahl steige und die Entfernung zu den Adressaten der Gesänge sinke. Der zunehmende Lärm in den Weltmeeren, Ansäuerung und Erwärmung des Wassers, sexuelle Selektion oder die zunehmende Körpergröße seit dem offiziellen Ende der Bejagung können das Phänomen nicht erklären, glauben der Forscher und seine Kollegen.
Quelle: Scripps Institution of Oceanography, 09.12.09
Forschung: Mark A. McDonald, Whale Acoustics, Bellvue, Colorado; John A. Hildebrand und Sarah Mesnick, NOAA Southwest Fisheries Science Center und Scripps Institution of Oceanography, University of California San Diego, La Jolla
Veröffentlichung Endangered Species Research, Vol. 9, pp 13-21, DOI 10.3354/esr00217
WWW:
Scripps Whale Acoustics Lab
NOAA Southwest Fisheries Science Center
Whale Acoustics, Mark McDonald
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