Posted in: Abfall und Schadstoffe, Atmosphäre 30. November 2009 18:12 0 Kommentare Weiter lesen →

Vorkoloniale Umweltverschmutzung

Foto zeigt Hochgebirge, schroffe Hänge, grau-braunes Gestein, bewölkter Himmel Eine der reichsten Silberminen der Neuen Welt wurde schon lange vor der Ankunft der spanischen Eroberer ausgebeutet. Zu diesem Schluss kommen kanadische Geowissenschaftler nach der Analyse von Sediment aus einem kleinen Gebirgssee in Peru. Gemessen an den darin enthaltenen Schwermetallen, wurde in der Region bereits im 6. Jahrhundert im größeren Stil Silbererz verhüttet.

Foto: Torox via Wikimedia (gemeinfrei)

Die genaue Zusammensetzung der alten Schwermetallbelastung und vor allem das Blei darin sprechen für den Cerro de Pasco als Herkunftsort des Erzes, berichten Colin Cooke und zwei Kollegen von der University of Alberta im Fachblatt “Geology”. Wo heute die Grube eines Tagebaus im Boden klafft, müssen bereits vor 1.400 Jahren die Vorgänger der Inka nach Silbererz gegraben haben. Den Konquistadoren war die Lagerstätte allerdings erst ab dem Jahr 1630 bekannt.

Um mehr über die Geschichte des Bergbaus in Peru zu erfahren, studierten Cooke und Kollegen die Ablagerungen in einem wenige Hektar großen See, der inmitten der peruanischen Anden auf einer Höhe von fast 4.200 Meter liegt. Die Forscher zogen einen meterlangen Bohrkern aus dem Seegrund, der auch kleine Holzkohlestückchen enthielt und so eine Altersbestimmung per Radiokarbondatierung erlaubte.

Anhand ihrer Analyseresultate gliedern die Forscher die Geschichte des Sediments in drei Phasen. Das älteste Material stammt aus dem dritten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung und enthält nur geringe Mengen von Blei. Ausgehend von dem Mengenverhältnis der Isotope Blei-206 und Blei-207 sowie von dem Titangehalt im Sediment, stammt das wenige Blei aus den verwitternden Berghängen in der Umgebung des Sees.

Um das Jahr 600 ändert sich das Bild: Nun gelangt allmählich immer mehr zusätzliches Blei in den See und das Isotopenverhältnis sinkt auf einen Wert, wie er dem Erz vom 60 Kilometer weit entfernten Cerro de Pasco entspricht. Wahrscheinlich gelangte das Blei aus den Schmelzöfen der Wari und der ihnen nachfolgenden Inka in die Luft, vermuten Cooke und Kollegen. Mit dem Wind wurde es über die gesamte Region verbreitet.

Um das Jahr 1600 herum ändert sich das Bild erneut. Der Bleieintrag in das Sediment steigt zunächst langsam, ab Beginn des 19. Jahrhunderts rasant weiter. Im Gegensatz zur vorherigen Phase ist er nun jedoch von Quecksilber begleitet. Hier zeigt sich der Umstieg auf den von den Spaniern eingeführten Amalgamprozess, folgern die Forscher. Bei dieser Methode wird das Silber zunächst mit Hilfe von Quecksilber aus dem Erz gelöst, dann wird das Quecksilber durch Erhitzen aus dem Amalgam ausgetrieben.

“In den folgenden vier Jahrhunderten dominierte der Prozess der Amalgamation die Metallurgie in den Anden”, schreiben Cooke und seine Kollegen. Schätzungen anderer Wissenschaftler zufolge, seien in dieser Phase pro Jahr 400 bis 1.200 Tonnen des giftigen Schwermetalls in die Atmosphäre gelangt. Nehme man die Ablagerungen in dem Bergsee als Berechnungsgrundlage, komme der obere Schätzwert der Wahrheit wohl näher, so die Forscher. Erst zu Beginn der 40er-Jahre habe der Quecksilbereintrag in den See seinen Zenit erreicht, liege heute aber immer noch um ein Vielfaches über dem Ausgangswert.

Forschung: Colin A. Cooke, Alexander P. Wolfe und Willam O. Hobbs, Department of Earth and Atmospheric Sciences, University of Alberta, Edmonton

Veröffentlichung Geology, Vol. 37(11), pp 1019-22, DOI 10.1130/G30276A.1

WWW:
Homepage Colin Cooke, University of Alberta
Silber aus der Neuen Welt
Wari
Bleierner Gruß vom Meeresgrund

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Nazca: Bergbau für Farbenpracht
Silberabbau in den Anden schon im 11. Jahrhundert


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