Posted in: Meeresforschung, Tierwelt 18. November 2009 14:46 Weiter lesen →

Seesterne lassen sich volllaufen

Foto zeigt rosa bis violett gefärbte Seesterne bei Niedrigwasser im Felsenwatt Wer an heißen Tagen einen Sonnenstich vermeiden will, sollte ausreichend trinken. Dieses Prinzip auf die Spitze getrieben haben Seesterne in der Gezeitenzone. In Erwartung von Hitzestress lassen sich die Tiere regelrecht volllaufen, haben amerikanische Biologen entdeckt.

Foto: D. Gordon E. Robertson via Wikimedia.org (Creative Commons Attribution Share Alike 3.0)

„Bislang nahm man an, dass Seesterne bei Niedrigwasser auf Gedeih und Verderb der Sonne ausgeliefert sind“, erklärt Sylvain Pincebourde, derzeit an der Universität im französischen Tours tätig. „Unsere Arbeit zeigt nun, dass manche Seesterne über ein überraschendes Vorsorgesystem verfügen.“

Anders als viele andere Bewohner der Gezeitenzone, können sich Seesterne nicht in ein schützendes Gehäuse zurückziehen, wenn sie trockenfallen und aushärten. Doch selbst nach mehreren Stunden in der Sonne werden die Tiere wieder munter, sobald das Wasser zurückkehrt.

Pincebourde und Kollegen vermuteten, diese Hartnäckigkeit könne mit dem Netzwerk flüssigkeitsgefüllter Kanäle in Armen und Rumpf der Stachelhäuter zusammenhängen. Um diese Hypothese zu überprüfen, setzten sie Ockerseesterne (Pisaster ochraeus) im Laborbecken simulierten Gezeiten und unterschiedlich intensiver „Sonnenstrahlung“ in Form von Heizstrahlern aus.

Wie die Forscher im Fachblatt „American Naturalist“ berichten, wiesen Seesterne, die bei einem Niedrigwasser besonders stark erwärmt worden waren, beim nächsten Niedrigwasser eine erhöhte Körpermasse auf. Da die Tiere zwischenzeitlich nicht gefressen hatten, mussten sie also verstärkt Wasser aufgenommen haben. Der zusätzliche Wasservorrat erhöht die Wärmekapazität der Tiere, sodass ihre Körpertemperatur bei Wärmezufuhr langsamer steigt.

Gemessen an der Körpermasse der Seesterne, seien die aufgenommenen Wassermengen durchaus beachtlich, so Pincebourdes Kollege Brian Helmuth: „Das ist so, als würden Menschen auf die Wettervorhersage schauen und in Erwartung eines heißen Tages sieben Liter oder mehr Wasser in sich hineinschütten.“

Forschung: Sylvain Pincebourde und Brian Helmuth, Department of Biological Sciences, University of South Carolina, Columbia, und Eric Sanford, Bodega Marine Laboratory, University of California Davis, Bodega Bay

Veröffentlichung American Naturalist, Vol. 174, pp 890-7, DOI 10.1086/648065

WWW:
Helmuth Lab, University of South Carolina
Sylvain Pincebourde, Universität Tours
Die Wärmekapazität
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