Posted in: Tierwelt 22. Oktober 2009 20:00 Weiter lesen →

Pilz laugt Amphibien aus

SW-Aufnahme eines Froschlurchs Die Infektion durch einen Pilz ist ein Grund dafür, dass viele Amphibienarten in ihrem Bestand gefährdet sind. Auf welche Weise der Pilz seine Opfer tötet, haben australische und amerikanische Forscher herausgefunden. Die Haut infizierter Tiere büßt die Fähigkeit ein, Elektrolyte aus der Umgebung aufzunehmen, sodass es letztlich zum Herzstillstand kommt.

Der Chytridpilz setzt den verschiedensten Amphibienarten zu. Bild: Courtesy of Jamie Voyles, Alex Hyatt and Frank Fillipi

Dieser Mechanismus mache verständlich, „wie ein Pilz auf der Hautoberfläche für eine Vielzahl von Amphibienarten tödlich sein kann“, schreiben die Forscher um Rick Speare von der James Cook University im Magazin „Science“. Allerdings sei der Pilz nicht allein für das weltweite Amphibiensterben verantwortlich, betonen die Forscher. Schadstoffe und die Zerstörung der Lebensräume gelten als nicht minder bedeutende Faktoren.

Der Chytridpilz (Batrachochytrium dendrobatidis) war erst gegen Ende der 90er-Jahre als Verursacher einer rasch um sich greifenden Infektion bei Amphibien identifiziert worden. Der Erreger befällt lediglich die äußerste Schicht der dünnen Amphibienhaut. Speare und Kollegen gingen der Vermutung nach, dass er auf diese Weise den Elektrolythaushalt der infizierten Tiere stört. Dazu setzten sie Laubfrösche (Litoria caerulea) den Sporen des Pilzes aus und untersuchten in der Folge regelmäßig Blut, Urin und Hautproben der Tiere.

Bei jenen Fröschen, bei denen schließlich die typischen Hautläsionen auftraten, sanken die Konzentration von Natrium und Kalium im Blut, fanden die Biologen und Mediziner. Werte wie die Proteinkonzentration im Blut und die Körpermasse blieben jedoch konstant, die Barrierefunktion der Haut blieb also erhalten. Allerdings war der Natriumtransport durch die Hautzellen bei den infizierten Tieren stark vermindert, ergaben elektrophysiologische Messungen. Dies bremst wiederum die Aufnahme von Kalium aus der Umgebung.

Kalium ist unter anderem für die Tätigkeit von Nerven und Muskeln von Bedeutung. Eine zu niedrige Konzentration im Blut, eine Hypokaliämie, kann bei Tieren und beim Mensch zum Herzstillstand führen. Diesen Prozess konnten die Forscher mit Hilfe von Herzstrommessungen auch bei den infizierten Laubfröschen verfolgen. Verabreichten sie den Tieren eine Elektrolytlösung, wurde deren Herzschlag wieder kräftiger und selbst verloren gegangene Reflexe stellten sich wieder ein. Da die Hautinfektion weiter bestand, war die Erholung aber nur vorübergehend.

Forschung: Jamie Voyles, Sam Young, Lee Berger und Rick Speare, School of Public Health, Tropical Medicine and Rehabilitation Sciences, James Cook University, Townsville, Queensland; Wyatt F. Voyles, Division of Cardiology, School of Medicine, University of New Mexico, Albuquerque; und andere

Veröffentlichung Science, Vol. 326, 23. Oktober 2009, pp 582-5, DOI 10.1126/science.1176765

WWW:
Amphibian Disease Ecology Group, James Cook University
Chytrid Fungus
Ionen in feiner Balance

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Infizierte Brut
Ein Drittel aller Amphibienarten gefährdet


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