Schwierige Prognosen für Säuger
14. Oktober 2009 12:13 Drucken
Säugetiere reagieren vielleicht gänzlich anders auf den Klimawandel als derzeit angenommen. Diesen Schluss legen Untersuchungen einer deutsch-schweizerischen Forschergruppe nahe. Welche klimatischen Nischen die verschiedenen Säuger Europas besetzen, hängt demnach kaum von ihrer entwicklungsgeschichtlichen Nähe ab: Selbst bei Arten, die erst seit kurzem getrennte Wege gehen, zeigen sich erhebliche Unterschiede.
Foto: Huhu Uet via Wikimedia.org (Creative Commons Attribution Share Alike 3.0)
Wahrscheinlich mache sich hier der Verdrängungswettbewerb zwischen den einzelnen Arten bemerkbar, folgern Carsten Dormann vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig. Die derzeit besetzte klimatische Nische einer Spezies wäre demnach – konkurrenzbedingt – nur ein Ausschnitt der potenziell zugänglichen. Falls diese Interpretation zutreffe, lasse sich die künftige Verbreitung der Säuger kaum allein auf Basis von Klimamodellen vorhersagen.
Dormann und Kollegen trugen Daten über die derzeitigen Verbreitungsgebiete von 140 europäischen Säugerarten und die zugehörigen Umweltbedingungen zusammen. Die statistische Analyse ergab, dass sich die Unterschiede in der Verbreitung zu einem großen Teil durch klimatische Faktoren wie etwa die jährliche Niederschlagsmenge und die Stärke der jahreszeitlichen Temperaturschwankungen erklären lassen.
Berücksichtigten die Forscher zusätzlich die Entwicklungsgeschichte der Arten, brachte dies kaum weitere Erkenntnisse. Die klimatischen Nischen zweier Schwesterarten, die sich erst vor wenigen Hunderttausend Jahren getrennt haben, sind sich nicht unbedingt ähnlicher als die zweier Arten, deren Entwicklung seit mehreren Millionen Jahren getrennt verläuft.
Eine alternative Erklärung für das Fehlen eines solchen phylogenetischen Signals sei eine rasche Evolution der jeweiligen klimatischen Nische, so Dormann und Kollegen. Ob eine solche evolutionäre Anpassungsfähigkeit das Schritthalten mit den klimatischen Veränderungen vor Ort gestatte, sei allerdings fraglich. Das gelte umso mehr, als der Klimawandel neben der Zerstörung der Lebensräume und der Umweltverschmutzung nur eines von mehreren Problemen sei, mit denen die Säuger zu kämpfen hätten.
Forschung: Carsten F. Dormann, Bernd Gruber und Dirk Herrmann, Department Landschaftsökologie, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung, Leipzig; Marten Winter, Departement Biologie, Université de Fribourg
Veröffentlichung Biology Letters, DOI 10.1098/rsbl.2009.0688
WWW:
Landschaftsökologie, Helmholtz-UFZ
Ecology and Evolution, University of Fribourg
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