Posted in: Klima, Landwirtschaft 9. Oktober 2009 15:42 Weiter lesen →

Landwirtschaft könnte Wasser effektiver nutzen

Zunahme-landwirtschaftlicher-Ertraege Ein besserer Umgang mit Wasser könnte die globale landwirtschaftliche Produktion um etwa ein Fünftel steigern. Das folgern deutsche und schwedische Forscher aus einer Modellstudie, die sie im Magazin „Environmental Research Letters“ vorstellen. Die Kombination zweier Methoden zum Wassermanagement soll Ertragssteigerungen je nach Region zwischen 7 und 53 Prozent ermöglichen.

Je grüner, desto größer die mögliche prozentuale Zunahme der Agrarproduktion. Grafik: PIK

Landwirtschaft wird zur Zeit auf etwa 15 Millionen Quadratkilometern betrieben – rund einem Zehntel der Landoberfläche der Erde. Sollte die Bevölkerung um weitere zwei bis drei Milliarden wachsen und im Jahr 2050 etwa zehn Milliarden Menschen umfassen, so müssten nach Schätzungen der Forscher etwa zehn Millionen Quadratkilometer weitere Ackerflächen erschlossen werden. Anstelle von jährlich 8.800 Kubikkilometer Wasser würden dann allerdings bis zu 13.300 Kubikkilometer benötigt. „In vielen Regionen der Welt ist Wasser jedoch schon jetzt knapp“, so Dieter Gerten vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK); „wir müssen neue Wege finden, das vorhandene Wasser besser zu nutzen.“

Die Forscher empfehlen, in den trockenen Regionen der Welt das Regenwasser gezielter zu sammeln und die Bodenverdunstung zu mindern. Letzteres lässt sich etwa durch Mulchen und angepasste Bodenbearbeitungstechniken erreichen. Feldstudien zeigen nach Auskunft der Forscher, dass Wasserverluste auf diese Weise halbiert werden können. Die globalen Erträge ließen sich je nach Region um 2 bis 25 Prozent steigern, ergaben Computersimulationen. Die größten Steigerungsmöglichkeiten von mehr als 20 Prozent bestehen demnach in überwiegend trockenen Regionen wie dem mittleren Westen der USA, dem Sahel, dem südlichen Afrika und Zentralasien.

Ergänzend lassen sich die Ergebnisse noch verbessern, wenn als zweite Methode das abfließende Regenwasser gezielt gesammelt und gespeichert wird. Allein dadurch wäre nach Schätzung der Forscher eine global Ertragssteigerung um bis zu 31 Prozent möglich. Besonders effektiv wäre die Technik in Regionen in Südamerika und Afrika mit mehr als 20 Prozent gesteigerten Erträgen.

Die Kombination beider Methoden ergab in der Modellierung Ertragssteigerungen von 7 bis 53 Prozent. Die größten Ertragssteigerungen sind laut Studie dort erreichbar, wo aufgrund von Wasserknappheit derzeit nur ein Zehntel der theoretisch möglichen Ernten eingefahren wird, wie in großen Teilen Afrikas. Den theoretischen Werten stehen in der Praxis einige negative Trends entgegen. So könne etwa der Klimawandel die Ernteerträge bis 2050 um rund ein Zehntel mindern, schätzt Stefanie Rost vom PIK. Wahrscheinlich müsse die effiziente Bewässerung durch weitere Maßnahmen ergänzt werden.

Forschung: Stefanie Rost, Dieter Gerten, Holger Hoff, Wolfgang Lucht, Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung; Malin Falkenmark, Johan Rockström, Universität Stockholm; in „Environmental Research Letters“ Vol.4 Nr. 4 2009, doi: 10.1088/1748-9326/4/4/044002

WWW:
Abstract der Studie
Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Klimawandel senkt Ernten
Regen für Afrika
Wärmere Welt, weniger Getreide

Posted in: Klima, Landwirtschaft
Möchten Sie den Beitrag bewerten?
SchlechtLangweiligGut zu wissenInteressantSpannend! (4 Bewertungen, im Schnitt 5,00 von 5)
Loading...

Drucken Drucken


1 Kommentar zu "Landwirtschaft könnte Wasser effektiver nutzen"

Trackback | Comments RSS Feed

  1. schindel sagt:

    interessanter beitrag und sehr aufschlussreich