Messcontainer auf großer Fahrt
2. Oktober 2009 13:43 Drucken
Containerschiffe können künftig Wissenschaft betreiben – und das auch ohne speziell geschulte Besatzung. Kieler und Leipziger Leibniz-Forscher haben einen Messcontainer entwickelt, der die Luft selbsttätig bis in größte Höhen vermisst und so hilft, das Wechselspiel von Ozean und Atmosphäre zu verstehen. Die erste große Testfahrt des Systems beginnt Mitte Oktober und führt in die Antarktis und zurück.
Der Messcontainer und seine “Innenarchitekten”. Foto: Maike Nicolai, IFM-GEOMAR
“Die Ozeane sind für uns immer noch eine Datenwüste, weil sie so schlecht zu erreichen sind”, erklärt Andreas Macke vom Kieler Leibniz-Institut für Meeresforschung (IFM-Geomar). Bislang habe man sich mit vereinzelten Messungen durch Forschungsschiffe begnügen müssen. Dieser Umstand wiegt umso schwerer, als die Weltmeere aufgrund ihrer schieren Masse und Fläche sehr viel stärkeren Einfluss auf die Atmosphäre haben als Land- und Eisflächen.
Die klaffende Datenlücke wollen die Forscher mit ihrer Messstation OCEANET-Atmosphere schließen. Das System besteht aus einem Container mit den Standardabmessungen (20 Fuß mal 8 Fuß mal 8 Fuß 6 Zoll), in den mehrere hochentwickelte Messinstrumente eingebaut sind. Diese erfassen im Sekundentakt beispielsweise die Menge des Wolkenwassers, die Windstärke und den Staubgehalt der Atmosphäre bis in eine Höhe von 20 Kilometern.
“Die Messtechnik ist robuster geworden, sodass sie Schiffsbewegungen verkraftet”, so Macke weiter. Langfristig soll die rund 450.000 Euro teure Station völlig autonom arbeiten und ihre Daten per Satellit übertragen, sodass sie problemlos auch Handelsschiffen “mitgegeben” werden kann. Eine kleine Flotte solcher Container kann dann Daten etwa über die Entwicklung von Wettersystemen über dem Meer sammeln, wie sie fest installierte Stationen auf dem Land schon lange wie selbstverständlich liefern.
Forschung: Leibniz-Institut für Meereswissenschaften an der Universität Kiel (IFM-Geomar); Leibniz-Institut für Troposphärenforschung, Leipzig; Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung, Bremerhaven; GKSS-Forschungszentrum, Geesthacht
WWW:
IFM-Geomar
- OCEANET
Wechselwirkungen zwischen Ozean und Atmosphäre
ISO-Container
Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Atmosphärenforschung via Linienjet





Kommentare
Möchten Sie etwas zum Artikel sagen ?