Posted in: Fischerei, Tierwelt 7. September 2009 20:57 Weiter lesen →

Volle Schnäbel, leeres Meer

Foto zeigt zahlreiche langhalsige Vögel mit schwarzem Gefieder, weißer Brust, auf Felsklippen, im Hintergrund tiefblaues Meer Wenn sich Abertausende Seevögel auf dem gleichen Eiland zum Brüten einfinden, kann das umliegende Meeresgebiet extrem beansprucht werden. Das belegen Beobachtungen kanadischer und italienischer Forscher. Indem sich die Altvögel bemühen, ihre Küken satt zu bekommen, zeitigen sie ähnliche Effekte wie eine ungebremst operierende Fangflotte.

Foto: Michael Haferkamp via Wikimedia.org (Creative Commons Attribution Share Alike 3.0)

Als Resultat müssen die Vögel immer weiter aufs Meer hinaus fliegen oder immer tiefer tauchen, um an größere Beutefische zu kommen, ermittelten die Forscher um Kyle Elliott und Gail Davoren von der University of Manitoba. Schließlich bleibt ihnen nichts anderes übrig, als sich mit kleinen Fischen zu begnügen oder auf Beute von anderen Ebenen des Nahrungsnetzes auszuweichen.

Um diesen „Halo-Effekt“ nachzuweisen, analysierten die Forscher Daten über eine Brutkolonie von Dickschnabellummen (Uria lomvia) in der kanadischen Hudsonbai. Über mehrere Jahre hatten sie durch minutiöse Beobachtungen und mit Hilfe von Datenloggern erfasst, wie lange einzelne Altvögel für ihre Fischzüge benötigten, wie oft und wie tief sie dabei tauchten und welche Beute sie ihrem hungrigen Nachwuchs brachten.

Es zeigte sich, dass die Lummen mit umso schwererer Beute zurückkehrten, je weiter entfernt von der Kolonie sie ihren erfolgreichen, letzten Tauchgang absolviert hatten. Mit der Entfernung von der Kolonie sank zudem die maximale Tauchtiefe. Des ungeachtet wurden die Beutefische im Laufe der Brutsaison immer kleiner. Schließlich brachten die Vögel ihren Küken häufig Krebse statt Fisch mit, berichten die Forscher im Fachblatt „The Auk“.

Elliott, Davoren und ihre Kollegen erklären die beobachteten Effekte dadurch, dass bodenlebende Fische im näheren Umkreis der Brutkolonie über Gebühr beansprucht wurden, während Fischarten des freien Wassers das Gebiet um die Insel verließen.

Forschung: Kyle H. Elliott und Gail K. Davoren, Department of Biological Sciences, University of Manitoba, Winnipeg; und andere

Veröffentlichung The Auk, Vol. 126(3), pp 613-25

WWW:
Biological Sciences, University of Manitoba
Thick-billed Murre
Fishing Down Marine Food Webs

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