Posted in: Atmosphäre, Klima, Meeresforschung 21. August 2009 18:21 Weiter lesen →

Methanfahnen im Polarmeer beobachtet

Grafik zeigt Sonarbild der Gasfahnen als rote, grün geränderte Zacken vor schwarzblauem Hintergrund Am Meeresgrund lagern große Vorräte des Treibhausgases Methan, die bei einer Erwärmung des Meerwassers instabil werden. Die möglichen Folgen dieses Prozesses haben englische und deutsche Wissenschaftler vor Spitzbergen studieren können. In einem kleinen Meeresgebiet zählten sie mehr als 250 Fahnen von Gasbläschen, die vom Meeresgrund aufstiegen.

Grafik: National Oceanography Centre, Southampton

Nach Ansicht von Tim Minshull vom National Oceanography Centre in Southampton erklären sich die Beobachtungen zumindest teilweise durch die Erwärmung des Meerwassers in den letzten Jahrzehnten. „Mit unserer Untersuchung wollten wir mehr darüber in Erfahrung bringen, wie viel Methan infolge der künftigen Erwärmung der Meere freigesetzt werden könnte. Derart deutliche Anzeichen dafür, dass dieser Prozess bereits im Gange ist, hatten wir nicht erwartet.“

Minshull und Kollegen, darunter Forscher aus Bremerhaven und Kiel, entdeckten die Gasfahnen während einer Forschungsfahrt im Spätsommer 2008. Ihre Sonarbilder zeigten eine Vielzahl feiner Blasenströme, die in 150 bis 400 Metern Tiefe am Meeresgrund entsprangen und sich – von der Strömung gen Norden verdriftet – spätestens 50 Meter unter der Meeresoberfläche auflösten. In den Fahnen entnommene Wasserproben wiesen eine bis zu 20-fach erhöhte Methankonzentration auf, nahe der Oberfläche war der Wert ebenfalls höher als erwartet.

Die in dem Meeresgebiet vorherrschende Strömung, der Westspitzbergenstrom, hat sich seit Mitte der 70er-Jahre um etwa 1 Grad Celsius erwärmt. Anfänglich bei knapp 360 Metern liegend, sollte die Mindesttiefe für stabile Methanhydrate im gleichen Zeitraum um etwa 40 Meter gesunken sein. Allein im Gebiet um Spitzbergen und seine Nachbarinseln könnten als Folge jährlich 20 Megatonnen Methan aus dem Meeresboden entweichen, schätzen die Forscher. Dies würde einigen Prozent der weltweiten Methanemissionen entsprechen.

Viele der beobachteten Methanfahnen entspringen in zu geringer Tiefe, als dass sie auf die Destabilisierung von Methanhydraten zurückgehen könnten, so Minshull und seine Kollegen. Generell sei unklar, in welchem Maße der Prozess zur Freisetzung von Methan aus den Weltmeeren beitrage. Schätzungen seien schon allein deshalb schwierig, weil Methanhydrate am Meeresgrund meist schlagartig zerfallen dürften. Daher könnte es zu jähen Gasausbrüchen in langen, eher ruhigen Perioden kommen.

Forschung: Graham K. Westbrook und Kate E. Thatcher, School of Geography, Earth and Environmental Sciences, University of Birmingham, Edgbaston; Tim A. Minshull und Christian Berndt, National Oceanography Centre, University of Southampton, und Leibniz-Institut für Meereswissenschaften an der Universität Kiel; und andere

Veröffentlichung Geophysical Research Letters, Vol. 36, L15608, DOI 10.1029/2009GL039191

WWW:
National Oceanography Center, Southampton
Leibniz-Institut für Meereswissenschaften, Kiel
Gashydrate und der globale Methankreislauf
The Spitsbergen Current

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Mehr Methan aus der Tiefsee


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1 Kommentar zu "Methanfahnen im Polarmeer beobachtet"

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  1. Thomas auf Mallorca sagt:

    interessantes Thema. Vermutungen über destabieles Methanhydrat in tieferen Bereichen des Polarmeeres würde mich mehr beunruhigen.