Posted in: Tierwelt 3. August 2009 13:47 Weiter lesen →

Wandelbare Nager

Grafik zeigt zwei schematische Ansichten eines Nagerschädels von oben und von unten, einige Merkmale markiert Von den meisten Menschen unbemerkt, findet zu ihren Füßen ein reger Wandel statt. Zwei amerikanische Biologen haben entdeckt, dass sich der Körperbau vieler Nager in der jüngeren Vergangenheit verblüffend stark verändert hat – teils sind ganze Gliedmaßen um ein Viertel geschrumpft, während die Ohren um die Hälfte länger geworden sind.

Grafik: Pergams ORW, Lawler JJ (2009), PLoS ONE 4(7): e6452, DOI 10.1371/journal.pone.0006452

„Anders als bislang angenommen, scheinen rasche Veränderungen vielerorts keine Seltenheit zu sein“, folgert Oliver Pergams von der University of Illinois in Chicago. Zumindest einige der beobachteten Veränderungen ließen sich durch das Wachstum menschlicher Siedlungen und durch Klimaveränderungen erklären. Allerdings gebe es eine Vielzahl weiterer potenzieller Einflussfaktoren, etwa die Verdrängung einer Population durch eine andere.

Bereits früher Studien hatte Pergams sprunghafte Veränderungen zweier Mäusepopulationen nachweisen können. Gemeinsam mit Joshua Lawler von der University of Washington ging er nun der Frage nach, ob es sich dabei um Ausnahmen handelte oder nicht. Die beiden Forscher untersuchten dazu rund 1.300 Vertreter von 25 Nagetierarten, die in den Jahren 1892 bis 2001 an den immer gleichen Orten in Amerika, Afrika und Asien gesammelt worden waren. An allen Exemplaren maßen sie jeweils elf Schädelmerkmale sowie vier weitere Körpermerkmale.

In jeder Zeitserie haben sich im Schnitt 2,2 Merkmale im Laufe des 20. Jahrhunderts klar verändert, berichten die Forscher im Fachmagazin „PLoS ONE“. Mitunter waren diese Veränderungen überraschend stark. So nahm die Ohrlänge einer kalifornischen Taschenmaus in nur acht Jahrzehnten um gut 50 Prozent zu, während der Schädel einer Weißfußmaus in Illinois binnen sieben Jahrzehnten um 40 Prozent breiter wurde. Umgekehrt sanken Fuß- und Schwanzlänge einer Lemmingart in Alaska in knapp fünf Jahrzehnten um 27 bzw. 17 Prozent.

„Spezies können sich also schnell an plötzliche Umweltveränderungen anpassen – schneller als es die meisten Leute speziell bei Säugetieren für möglich gehalten hätten“, so Pelgram weiter. Die Resultate seien nicht nur für die Evolutionsforschung von Interesse, sondern auch für den Naturschutz: In der Vergangenheit besonders wandelbare Arten kämen vermutlich relativ gut mit künftigen Umweltveränderungen zurecht.

Forschung: Oliver R. W. Pergams, Department of Biological Sciences, University of Illinois, Chicago, Division of Mammals, Field Museum, Chicago, und Red Rock Institute, Bryn Mawr, Pennsylvania; Joshua J. Lawler, School of Forest Resources, University of Washington, Seattle

Veröffentlichung PLoS One, Vol. 4(7), e6452, DOI 10.1371/journal.pone.0006452

WWW:
Der Artikel online (Open Access)
Biological Sciences, University of Illinois at Chicago
Homepage Oliver Pergams
Joshua Lawler, University of Washington
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