Posted in: Klima, Land 29. Juli 2009 19:00 Weiter lesen →

Torfböden verstärken Klimawandel

Foto zeigt tiefbraunen Boden, mit hellen Blütenpflanzen übersät, vor Bergkulisse, dunkler Winterhimmel Der Klimawandel beschert vor allem den höheren Breiten der Erde steigende Temperaturen. Das hat Konsequenzen, belegt ein Langzeitexperiment einer europäischen Forschergruppe. Das aus den Torfböden der Nordhalbkugel zusätzlich freigesetzte Kohlendioxid kann demnach die Emissionsbeschränkungen der Industriestaaten zu einem erheblichen Teil kompensieren.

Foto: Ellen Dorrepaal

Indem die Temperatur in den kommenden Jahrzehnten um ein Grad Celsius steigt, könnte die mächtige Torfdecke jährlich bis zu 100 Millionen Tonnen (Megatonnen) Kohlenstoff zusätzlich als Kohlendioxid an die Atmosphäre abgeben, schätzt die Gruppe um Ellen Dorrepaal von der Freien Universität Amsterdam im Magazin „Nature“. Dies entspreche in etwa der Menge an Treibhausgasen, die die Staaten der Europäischen Union im Rahmen des Kyoto-Abkommens einsparen wollten, so die Forscherinnen.

Torfböden bedecken nur etwa zwei Prozent der Erdoberfläche, enthalten in Form von nicht zersetzter Pflanzensubstanz allerdings gut halb so viel Kohlenstoff wie die Atmosphäre. Um mehr über die Reaktion dieses gewaltigen Reservoirs auf den Klimawandel zu erfahren, haben Dorrepaal und Kolleginnen im Jahr 2000 ein Langzeitexperiment in Nordschweden begonnen. Dabei wurden zahlreiche, je vier Quadratmeter große Bodenflächen mit transparenter Plastikfolie „eingezäunt“, um die Bodentemperatur zu erhöhen.

Als Folge stieg die Kohlendioxidfreisetzung in den schneefreien Monaten Mai bis September um gut 52 Prozent, beobachteten die Forscherinnen. Der Großteil des zusätzlichen Kohlendioxids stammte aus tiefen Bodenschichten – ging also nicht etwa auf eine verstärkte Atmung der Pflanzendecke oder auf frischen Humus zurück, sondern auf die Zersetzung von Jahrhunderte alter organischer Substanz. Damit nicht genug, war der Effekt auch acht Jahre nach Versuchsbeginn unverändert stark. Experimente auf typischen Mineralböden hatten dagegen eher kurzfristige Anstiege gezeitigt.

„Der Nettoeffekt der Klimaerwärmung auf das Kohlenstoffreservoir in den nördlichen Torfböden hängt davon ab, wie der Verlust von Kohlenstoff aus dem Torf und die Ansammlung durch neues Pflanzenwachstum jeweils reagieren“, betonen die Forscherinnen. Die Biomasse des vorherrschenden Torfmooses (Gattung Sphagnum) sei im Rahmen des Experiments allerdings nicht gestiegen, gleichzeitig behindere die Moosdecke die Ausbreitung von Sträuchern und anderen, produktiveren Pflanzen. Mit einer nennenswerten Verstärkung der Kohlendioxidaufnahme sei daher wohl nicht zu rechnen, so Dorrepaal und Kolleginnen.

Forschung: Ellen Dorrepaal und Sylvia Toet, Department of Systems Ecology, Vrije Universiteit Amsterdam; Terry V. Callaghan, Abisko Naturvetenskapliga Station, Kungliga Vetenskapsakademien, und Sheffield Centre for Arctic Ecology, University of Sheffield; und andere

Veröffentlichung Nature, Vol. 460, 30. Juli 2009, pp 616-9, DOI 10.1038/nature08216

WWW:
Systems Ecology, Vrije Universiteit Amsterdam
Abisko Scientific Research Station
Klimawandel und Klimafolgen
Klimafolgen: Arktische Ökosysteme
Bodenatmung

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Permafrost in Aufruhr


Posted in: Klima, Land
Möchten Sie den Beitrag bewerten?
SchlechtLangweiligGut zu wissenInteressantSpannend! (noch unbewertet)
Loading...

Drucken Drucken


Die Kommentare sind geschlossen.