Posted in: Klima, Pflanzenwelt 29. Juni 2009 17:10 Weiter lesen →

Träge Wälder

Foto zeigt spärlichen Bestand schlanker Nadelbäume vor schneebedeckter BergkulisseDie Wälder der Erde reagieren sehr träge auf den Klimawandel, lassen Modellrechnungen britischer Forscher vermuten. Nach einer Stabilisierung der Treibhausgas-Konzentrationen in der Atmosphäre brauchen der Amazonas-Regenwald und die Wälder der nördlichen Breiten demnach Jahrzehnte, bis sie einen neuen Gleichgewichtszustand erreicht haben.

Foto: L. B. Brubaker/U.S. National Oceanographic and Atmospheric Administration

Diese Trägheit sei bei bisherigen Arbeiten zum Klimawandel und seinen Folgen nicht berücksichtigt worden, schreiben die Forscher um Chris Jones vom Hadley Centre des britischen Met Office im Fachblatt „Nature Geoscience“. Sollten weitere Studien zu ähnlichen Resultaten kommen, müssten die Ansichten darüber, wo die Grenze zu einem „gefährlichen Klimawandel“ liegt, möglicherweise überdacht werden.

Jones und Kollegen führten ihre Experimente mit einem Modell durch, das neben klimarelevanten Vorgängen in Atmosphäre und Ozeanen auch die Reaktion der Vegetation berücksichtigt. Dabei gingen sie von einem Szenario aus, dem zufolge die Staaten der Erde ihr Emissionsverhalten künftig nur zögerlich ändern werden. Zu verschiedenen Zeitpunkten froren die Forscher die Treibhausgas-Konzentrationen im Modell ein und verfolgten das weitere Geschehen.

Im Extremfall könnte der Wald im Amazonasbecken demnach zwei Jahrhunderte benötigen, um einen neuen stabilen Zustand zu erreichen. Würden die Emissionen beispielsweise ab dem Jahr 2050 konstant gehalten, hätte sich die Waldfläche bis zu diesem Zeitpunkt zwar kaum verändert. In den folgenden Jahrzehnten würde sie allerdings um rund 50 Prozent schrumpfen, indem Faktoren wie höhere Temperaturen und beschleunigter Humusabbau allmählich ihre Wirkung entfalten. Die Waldfläche in den nördlichen Breiten könnte sich mit einer ähnlichen Trägheit verdoppeln.

Solche unausweichlichen, zu einem bestimmten Zeitpunkt aber noch nicht eingetretenen Veränderungen könnten eine Neubewertung der Situation aus politischer Sicht erfordern, glauben Jones und Kollegen. Ihre Berücksichtigung könne „bei der Abwägung zwischen den Kosten von Emissionssenkungen und den Kosten des Klimawandels zu höchst unterschiedlichen Schlussfolgerungen führen“.

Forschung: Chris Jones, Jason Lowe, Spencer Liddicoat und Richard Betts, Met Office Hadley Centre, Exeter

Veröffentlichung Nature Geoscience, DOI 10.1038/ngeo555

WWW:
Met Office Hadley Centre
Klimawandel und Folgen
Vegetation als Faktor im Klimasystem
The SRES Emissions Scenarios

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