Posted in: Atmosphäre, Klima, Meeresforschung 14. Mai 2009 13:39 Weiter lesen →

Gehaltvoller Geleeregen

Foto zeigt Rohrleitung am schlammigen Meeresgrund, links und rechts davon bleiche wurstförmige bzw. rötliche scheibenförmige Gebilde An Geleeklumpen erinnernde Tiere stellen ein wichtiges Bindeglied im globalen Kohlenstoffkreislauf dar. Diese Ansicht bekräftigen Untersuchungen eines englisch-deutschen Forscherduos. Vor der westafrikanischen Küste beobachteten die Wissenschaftler, wie Myriaden sterbender Salpen zu Boden sanken – und damit große Mengen organischen Kohlenstoffs.

Foto: Lebrato/Jones, IFM-GEOMAR

„Diese toten Organismen bestehen zu einem Drittel aus Kohlenstoff“, erklärt Mario Lebrato vom Leibniz-Institut für Meereswissenschaften in Kiel. Hinzu komme, dass die kompakten Tiere vergleichsweise rasch sänken und daher auf dem Weg abwärts kaum verrotteten. „Deshalb erreichen sie – und mit ihnen der Kohlenstoff – den Meeresboden fast im ursprünglichen Zustand.“

Salpen (Thaliacea) erinnern auf den ersten Blick an Quallen, gehören jedoch in die nähere Verwandtschaft der Wirbeltiere. Kolonien aus Hunderten oder Tausenden Einzeltieren bildend, schweben sie durch das Meer und filtern Planktonorganismen aus dem Wasser. Bei reichem Nahrungsangebot können sie in Massen auftreten. Und schließlich auch in Massen sterben, belegen die Beobachtungen Lebratos und seines Kollegen David Jones vom National Oceanography Centre in Southampton.

Die beiden Forscher werteten Videoaufnahmen aus, die ein Tauchroboter vor Côte d’Ivoire (Elfenbeinküste) gemacht hatte. Sich an Ölpipelines orientierend, hatte das Gerät den Meeresgrund zwischen 20 und 1.300 Metern Tiefe erkundet. Vor allem jenseits der 200-Meter-Marke zeigten die Aufnahmen große Mengen sterbender bzw. toter Feuerwalzen (Pyrosoma atlanticum) am Kontinentalhang. Stellenweise zählten die Forscher mehr als 2.000 der fingerlangen Individuen pro 100 Quadratmeter Meeresgrund – ein gefundenes Fressen nicht nur für Bakterien, sondern auch für Seeanemonen, Asselspinnen und Stachelhäuter.

Analysen von Feuerwalzen-Kadavern ergaben einen Anteil organischen Kohlenstoffs von 35 Prozent an der Trockenmasse. Mit den Salpen könnten daher bis zu 22 Gramm Kohlenstoff auf jeden Quadratmeter Meeresboden geregnet sein, schätzen die Forscher. Sollte sich Ähnliches auch in anderen Meeresregionen abspielen, könnte Feuerwalzen eine bedeutende Rolle im System Erde zukommen, so Lebrato: „Sie binden ein Vielfaches des Kohlenstoffs, der durch abgestorbenes Plankton den Meeresboden erreicht, und senken so indirekt auch den Kohlendioxidanteil in den oberen Wasserschichten – und in der Atmosphäre.“

Forschung: Mario Lebrato und Daniel O. B. Jones, National Oceanography Centre, Southampton, und Leibniz-Institut für Meereswissenschaften, Kiel

Veröffentlichung Limnology and Oceanography, Vol. 54(4), pp 1197-1209

WWW:
National Oceanography Centre, Southampton
Marine Biogeochemie, IFM-GEOMAR
Salps
The Jellies Zone

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